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Viertes Buch. Bildende Kunst, Musik und Theater 24. Abschnitt. Der deutsche Künstler und das liebe Publikum

Full text: Deutschland von heute / Berolzheimer, Fritz (Public Domain)

24. Der deutsche Kunstler und das liebe Vublikum. 983 
Das Publikum aber begreift nicht, daß 
der Künstler vor allem leben muß, daß Leben für 
ihn Kriegführen bedeutet, und daß für den Krieg 
dreierlei nötig ist: Geld, Geld, viel Geld. 
Auch in der Kunst entziehen die verstorbenen 
den lebenden Künstlern den Platz, genau, wie in 
der Literatur; ja noch weit mehr: zufolge des Wahns 
des lieben Publikums, weil etwas über eine gewisse 
Zeit hinaus alt sei, müsse es auch schön sein; und 
auf Grund der Naivität vieler Leute, die da ver— 
meinen, für mäßiges Geld ganz unmäßig wertvolle 
Antiquitäten kaufen zu können. 
Warum wollen die Leute, womöglich noch 
bei geringer Ausgabe, durchaus ein Bild von dem 
Träger eines großen Namens erwerben? Warum 
begnügt man sich nicht mit den Erzeugnissen der 
Graphik, mit einer gediegenen Radierung, allen- 
falls auch mit einer künstlerisch gehaltenen Litho— 
graphie? — 
Die Erziehung des Publikums zu Kunstgeschmack 
ist die Grundbedingung für eine gedeihliche Ent— 
wicklung der Kunst. König Demos ist heute der 
größte Konsument. Das Kunstgewerbe in seiner 
künstlerischen Durchbildung ist der Umweg, auf 
dem die Menge langsam daran gewöhnt wird,
	        
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