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Zweites Buch. Wissenschaft 12. Abschnitt. Die Wissenschaft des Rechts und die Gesetzgebungsfragen samt der Sozial- und Industrie-Gesetzgebung

Full text: Deutschland von heute / Berolzheimer, Fritz (Public Domain)

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Wissenschaft. 
Die Strafprozeßreform bezieht sich auf drei ein⸗ 
schneidende Reformpunkte: Gerechtere Gestaltung des 
Vorverfahrens, der Hauptverhandlung und der 
Rechtsmittel. 
Der vormoderne Strafprozeß war Inquisitions⸗ 
prozeß, der Richter im Vorverfahren war Inquirent; 
der Staatsanwalt war „promotor inquisitionis“; 
der Beschuldigte war Objekt der Untersuchung und 
— wenn er zufällig unschuldig war — meist ein 
Opfer der Justiz. An die Stelle der körperlichen 
Daumenschrauben traten späterhin psychische Martern, 
wodurch dem Beschuldigten das Geständnis der Tat 
abgepreßt wurde. 
Während nun heute das Hauptvoerfahren nach 
dem modernen Prinzip des Parteienprozesses gestaltet 
ist, so daß sich also Angeklagter und Anklagebehörde 
als, im wesentlichen wenigstens, gleichberechtigte 
Prozeßparteien gegenüberstehen, ist das Vorverfahren 
in Deutschland noch heute inquisitorisch aufgebaut. 
Demgemäß ist der Beschuldigte während des Vor— 
verfahrens im Verkehr mit seinem Verteidiger be⸗ 
schränkt, von der Akteneinsicht abgeschnitten, in der 
Geltendmachung des Entlastungsbeweises vielfach 
eingeengt. Hier muß also mit den letzten Resten 
des Mittelalters aufgeräumt werden. Reformbe— 
dürftig ist auch der Übergang vom Vorverfahren 
zum Hauptverfahren, der „Eröffnungsbeschluß“ des 
heutigen Rechts. —
	        
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