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Full text: Berlin in Geschichte und Gegenwart / Goldschmidt, Paul (Public Domain)

70 Im Zeitalter des Absolutismus und des Merkantilsystems. 1648 - 1806. 
Lietzenburg, dessen Park nach Plänen des Versailler Baumeisters und 
Gartenkünstlers Le Nôtre angelegt wurde. Freilich so schön diese Allee 
auch war und heute noch ist, bei ihrem fußtiefen Sande konnten Wagen 
und Fußgänger nur schwer vorwärts kommen. Der König ließ deshalb 
1702 einen Leinpfad anlegen, dessen Anfang damals Treckschutendamm, 
später, als Friedrich Wilhelm J. dort Schiffbauer ansiedelte, Schiffbauer— 
damm genannt wurde. Von hier aus konnte die Hofgesellschaft in durch 
Pferde gezogenen Schiffen bequem nach Lietzenburg fahren. Hierzu wurde 
ein Teil der schönen Lustjachten benutzt, die Friedrich zum Segeln auf 
Spree und Havel sowie zur Veranstaltung von Wasserfesten hatte bauen 
lassen. Die hübscheste davon gefiel 1716 dem russischen Zaren Peter dem 
Großen bei seinem Besuche in Berlin so gut, daß er sie sich als Geschenk 
ausbat. Sie ist denn auch trotz mancher Schwierigkeiten glücklich nach 
Petersburg gebracht worden. Als Gegengeschenk erhielt Friedrich Wilhelm 
einige „lange Kerle“ zur Einstellung in seine Leibgarde. Auch für das 
Publikum wurde bald durch einen Unternehmer solche Treckschutenfahrt 
zweimal täglich eingerichtet, ein Beweis, daß damals ein sehr lebhafter 
Verkehr zwischen Berlin und Charlottenburg stattfand. 
An der Ausschmückung der Schlösser und den anderen großen Bauten 
haben damals neben den Baumeistern und Bildhauern zahlreiche Maler 
gearbeitet, die außerdem durch die von der vornehmen Gesellschaft vielfach 
begehrten Porträts eine lohnende Tätigkeit fanden. Stilleben liebte Fried— 
rich nicht, er interessierte sich mehr für große dekorative Bilder. Von seinen 
Malern ist der Holländer Augustin Terwesten am wichtigsten sowohl durch 
seine Deckengemälde in den Schlössern von Berlin, Charlottenburg und 
Oranienburg wie als Begründer der Kunstakademie. 
Einige der in Berlin arbeitenden Künstler hatten einen Verein ge— 
bildet, um gemeinschaftlich künstlerischen Unterricht zu erteilen. Terwesten, 
der bereits im Haag Leiter der „Akademie van de Teykenkunst“ gewesen 
war, schlug 1694 dem Kurfürsten vor, diesen Verein als Kunstakademie 
auszugestalten nach dem Muster der römischen und der Pariser Akademie, 
der einzigen damals bestehenden größeren Kunstakademien. Friedrich ging 
bereitwillig darauf ein und beauftragte Terwesten zusammen mit Schlüter 
einen Plan auszuarbeiten. Er bewilligte sofort eine namhafte Unterstützung 
und schickte zwei seiner jüngeren Bildhauer nach Italien, um Gipsabdrücke 
antiker Bildwerke anzukaufen. Auch sein erster Minister Eberhard Danckel— 
mann unterstützte den Vorschlag und übernahm das Protektorat. Dann 
kamen aber die Intriguen dazwischen, die zu Danckelmanns Sturz führten. 
Erst 1699 konnte die Akademie feierlich eröffnet werden, nachdem sie bereits 
seit drei Jahren in Tätigkeit war und angefangen hatte, sich kräftig zu 
entwickeln.
	        
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