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Full text: Berlin in Geschichte und Gegenwart / Goldschmidt, Paul (Public Domain)

56 Im Zeitalter des Absolutismus und des Merkantilsystems. 1648 -1806. 
gebäudes in der Breiten Straße (Nummer 35 und 36) von Smids er— 
baut und neben diesen jetzt das älteste ansehnliche, namhafte Wohnhaus 
bon Berlin, noch aus der Zeit vor der Erbauung des Zeughauses und 
des Schlosses. Das Nachbarhaus Nr. 58 ist in gefälliger Weise umgebaut 
unter annähernder Erhaltung der alten Form. 
Der Werder war bis dahin wenig bebaut, jetzt entwickelte er sich 
rasch, da den Neubauenden Abgabenfreiheit auf eine Reihe von Jahren 
und allerlei andere Erleichterungen gewährt wurden. So entstanden die 
Kurstraße und ihre Nebenstraßen, vom Leipziger Tore zog sich die 
Leipzigerstraße (jetzt Alte Leipzigerstraße) zur Spree hin und wurde durch 
die neu erbaute Jungfernbrücke mit Kölln verbunden. 
Trotz der Mühe und Kosten, welche der Kurfürst auf diese Befestigung 
oerwendete, erwies sie sich sehr bald als unzureichend, da das Wachsstum 
der Stadt über ihre Grenzen hinausging. Sie ist infolgedessen niemals in 
die Lage gekommen, ihre militärische Bedeutung zu erweisen, nur daß sie 
wohl 1675 im schmedisch⸗franzo sischen Kriege durch ihr bloßes Dasein ge— 
wirkt hat. Die (chweden waren bekanntlich in die Mark eingefallen, 
während der Kurkürst an Rhein und Main gegen die Franzosen im Felde 
stand. Der Feind hatte sich an der Havel festgesetzt in Brandenburg, 
Rathenow und Havelberg. Es wäre für ihn sehr viel vorteilhafter ge— 
wesen, auch Berlin in seine Gewalt zu bringen. Das aber wäre jetzt ohne 
regelmäßige Belagerung, ohne große Mühe und erheblichen Zeitaufwand 
nicht möglich gewesen. Die Schweden haben es deshalb gar nicht ver— 
sucht und sich mit der weniger günstigen Stellung an der Havel begnügt. 
Als diese dann mit der Üüberrumpelung von Rathenow durchbrochen wurde, 
mußten die in Brandenburg stehenden schwedischen Truppen den Rückzug 
quer durch das Havelluch versuchen. Sie wurden eingeholt, zum Kampf 
gezwungen und erlitten bei Fehrbellin eine Niederlage von entscheidender 
Bedeutung. Man kann wohl sagen, daß zu diesem glänzenden Erfolge 
die Befestigung von Berlin in indirekter Weise beigetragen hat. 
Die Zunahme der Bevölkerung und die erwachte Baulust bewirkten 
eine ziemlich schnelle Ausdehnung der Stadt sowohl im Norden und Osten, 
viel mehr noch im Westen. Auf einem ihr vom Kurfürsten geschenkten 
Landstrich legte seine zweite Gemahlin Dorothea die Dorotheenstraße und 
die Linden-Allee an. Schon 1647 hatte der Kurfürst befohlen, von der 
Hundebrücke an nach Westen zu eine Galerie von 1000 Linden und ebenso— 
vielen Nußbäumen in sechsfacher Reihe anzupflanzen. Nachher beim Festungs— 
bau ist sie teilweise zerstört worden und wurde dann durch die Kurfürstin 
wiederhergestellt, welche die ersten Bäume selbst gepflanzt haben soll. Sie 
ließ Baustellen abstecken und diese verkaufen oder verpachten. Die so ent— 
stehende Vorstadt wurde zunächst als Neustadt bezeichnet, später Dorotheen—
	        
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