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Neuntes Kapitel. Die Entwickelung zur Weltstadt Sechster Abschnitt. Lebensmittelversorgung

Full text: Berlin in Geschichte und Gegenwart / Goldschmidt, Paul (Public Domain)

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Die Entwickelung zur Weltstadt. 
Eine Roßschlächterei wurde im Notjahre 1847 zum erstenmale in 
Berlin konzessioniert, doch mögen unter der Hand auch schon vorher einzelne 
Pferde geschlachtet sein, um ihr Fleisch bei den billigeren Arten von Würsten 
mitzuverwenden. Die Zahl der geschlachteten Pferde betrug 1872: 3100, 
1880: 5700, 1890: 8400, 1905: 13 000. 
Bei der sonstigen Versorgung Berlins mit Lebensmitteln spielen die 
Märkte eine große Rolle. Im alten Berlin-Kölln gab es Wochenmärkte 
nur auf dem Molkenmarkt, dem Neuen Markt und dem Köllnischen Fisch— 
markt. Als Friedrichswerder und Dorotheenstadt sich entwickelten, kamen 
Wochenmärkte auf dem Werderschen Markt und Unter den Linden dazu; 
für die Friedrichstadt wurde 1728 der Wochenmarkt auf dem Gendarmen— 
markte eingerichtet, der anfangs wenig besucht, später der größte Markt 
von Berlin wurde. Bei dem steigenden Verkehr mußten die Märkte auf dem 
engen Raum des Köllnischen Fischmarktes, des Werderschen Marktes und 
der Straße Unter den Linden aufgegeben werden, dafür kamen in der ersten 
Hälfte des 19. Jahrhunderts sieben neue Wochenmärkte hinzu: auf dem 
Dönhofsplatz, Alexanderplatz, Leipziger Platz, am Oranienburger, Halle— 
schen, Rosentaler und Frankfurter Tor. 
Nach der Wochenmarkts-Ordnung vom 9. Februar 1848 wurde auf 
dem Neuen Markt an allen sechs Wochentagen Markt gehalten, auf den 
anderen neun Plätzen nur zweimal wöchentlich: Montags und Donnerstags 
auf dem Alexanderplatz und Leipziger Platz, Dienstags und Freitags am 
Dranienburger und Frankfurter Tor, Mittwochs und Sonnabends auf dem 
Molkenmarkt, Gendarmenmarkt, Dönhofsplatz, am Halleschen und am Rosen⸗ 
taler Tor, so daß an diesen beiden Tagen sechs Wochenmärkte, an den 
anderen Tagen drei stattfanden. Außerdem gab es am Sonntag Morgen 
Frühmärkte auf dem Neuen Markt und am Rosentaler Tor, Abendmärkte am 
Montag und Donnerstag auf dem Neuen Markt, am Dienstag und Freitag 
auf dem Dönhofsplatz. Getreidemarkt war täglich auf dem Gendarmen⸗ 
markt sür die Landzufuhr, an der Friedrichsbrücke für die Wasserzufuhr; 
Fischmarkt außer auf den Wochenmärkten täglich am Inselgebäude und 
auf dem Spittelmarkt. Von 1848 bis 1875 sind neun weitere Wochenmärkte 
eingerichtet worden, der letzte auf dem Magdeburger Platze. Alle diese 
Wochenmärkte waren zugleich Lebensmittel- und Krammärkte, in der älteren 
Zeit darauf eingerichtet, daß der zum Markte kommende Landmann nicht 
nur die von ihm mitgebrachten Waren verkaufen, sondern auch ohne großen 
Zeitverlust allerlei Handwerkserzeugnisse einkaufen und bei auter Zeit wieder 
nach Hause fahren konnte. 
Die genannte Wochenmarkts-Ordnung bestimmte, daß der Markt⸗ 
oerkehr nicht vor 7 Uhr (im Sommer vor 6 Uhr) beginnen solle. Diese 
Bestimmung ließ sich aber bei dem raschen Wachstum der Stadt und dem
	        
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