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Siebentes Kapitel. Revolution und Reaktion. 1846-1858

Full text: Berlin in Geschichte und Gegenwart / Goldschmidt, Paul (Public Domain)

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Revolution und Reaktion. 1846 -1858. 
Rücktritt konnte er mit Stolz auf die in sechsjähriger Verwaltung erreichten 
Erfolge hinweisen. In seinem Berichte heißt es: „Die Zurückziehung der 
Kapitalien aus den industriellen Unternehmungen und dem Grundbesitz 
hat eine viel intensivere Tätigkeit auf dem Geld-, Wechsel- und Effekten— 
markt ermöglicht, den früheren Einfluß wiederhergestellt und zugleich be— 
deutenden Gewinn gebracht. Das Vermögen der Seehandlung ist um drei 
Millionen Taler gewachsen, ihr zum großen Teil imaginäres Vermögen in 
ein reelles verwandelt. Außerdem hat sie durch ihre vermehrten Mittel dem 
Eisenbahnbau, großen Meliorations-Unternehmungen, dem Chausseebau, vielen 
durch die Ungunst der Zeit ins Schwanken geratenen industriellen Unter— 
nehmungen helfen können, ohne doch dabei ihre Mittel dauernd festzulegen.“ 
So waren Bank und Seehandlung auf neue und gesunde Grundlagen 
gestellt in einer Zeit, wo der Eisenbahnbau und die durch ihn geförderte 
Industrie sehr viel höhere Ansprüche an das Bankkapital stellten als früher. 
Das Risiko wurde für die Mittel einzelner zu groß, deshalb bildeten sich 
Bank-Gesellschaften, private Bankinstitute, um durch die Vereinigung der 
Kräfte größeres leisten zu können. Die erste derartige Gesellschaft in 
Berlin war die 1851 von Hansemann begründete Diskonto-Gesellschaft. 
Hansemanns Absicht war ursprünglich auf einen Darlehensverein gerichtet, 
dessen Mitglieder sich gegenseitig unterstützen sollten. Da die Regierung 
aber ihre Genehmigung versagte, entschloß er sich, diesen Verein als ein 
kaufmännisches Geschäft einzurichten. Er wählte hierfür die Form einer 
Kommanditgesellschaft auf Aktien, weil eine solche nach dem geltenden Recht 
ohne weitere Umstände begründet werden konnte, während bis zum Gesetz 
vom 11. Juni 1870 für jede andere Art der Altiengesellschaft eine be— 
sondere Konzession der Regierung erforderlich und nicht leicht zu erhalten 
war. Die Gesellschaft entwickelte sich in sehr günstiger Weise und nahm 
größere Verhältnisse an. 1855 beschloß sie, mit Rücksicht auf die glänzenden 
Erfolge des 1862 in Paris begründeten Crédit Mobilier und der nach 
diesem Vorbild 1853 in Darmstadt errichteten Bank für Handel und Industrie, 
zum eigentlichen Bankgeschäft überzugehen. Zu diesem Zwecke wurde sie 
umgestaltet und bedeutend erweitert, ihr Kapital wurde auf zehn, dann 
auf zwanzig Millionen Taler erhöht. Sie zählte bald zu den angesehensten 
Bankhäusern Deutschlands. 1856 und 1857 traten in Berlin noch mehrere 
Bankgesellschaften ins Leben, alle gleichfalls als Kommanditgesellschaften 
auf Aktien. Sie hatten zunächst unter den ungünstigen Verhältnissen dieser 
Zeit zu leiden, nur eine von ihnen, die Berliner Handelsgesellschaft, hat 
diese Schwierigkeiten völlig überwunden und dann gleichfalls eine große, 
führende Stellung erlangt. 
Der frischere Luftzug, der am Ende der Reaktionszeit sich in Berlin regte, 
kritt in dem wirtschaftlichen Leben deutlich hervor. Berlin schickte sich an, mit 
gesammelter Kraft in einen neuen Abschnitt seiner Entwickelnnga einzutreten.
	        
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