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Fünftes Kapitel. Unglückszeit und Wedererhebung. 1806-1815

Full text: Berlin in Geschichte und Gegenwart / Goldschmidt, Paul (Public Domain)

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Unglückszeit und Wiedererhebung. 1800 - 1814. 
mehr gehabt. Da die Gefahr eines feindlichen Angriffs beseitigt war, 
hatten die Berliner Bürger keine Lust noch weiter zu schanzen. Mitte Sep⸗— 
tember schickten sie eine Deputation nach Zerbst, wo der schwedische Kron— 
prinz seit der Dennewitzer Schlacht sein Hauptquartier hatte. Er erklärte, 
eine weitere Verstärkung der Schanzen sei nicht nötig, zur Erhaltung der 
vorhandenen solle man die Kriegsgefangenen heranziehen, die Arbeit der 
Bürger könne jetzt fortfallen. 
Durch die Leipziger Schlacht war Napoleons Macht gebrochen, der 
deutsche Boden befreit. Fast unmittelbar darauf hatte Berlin die Freude, 
den König zu begrüßen, der am 24. Oktober zu kurzem Besuch nach seiner 
Hauptstadt kam. Den Mittelpunkt des Festes bildete diesmal, der reli— 
giösen Stimmung dieser Zeit entsprechend ein auf dem Opernplatz abge— 
haltener feierlicher Gottesdienst für die gesamte Garnison. Am Schlusse 
desselben knieten sämtliche Krieger und die große Masse der Zuschauer 
zum Dankgebet nieder. 
Nach dem Sturz Napoleons und dem Abschluß des Pariser Friedens 
wurde die Rückkehr der freiwilligen Jäger, die früher als die anderen 
Trüppen mit dem besonderen Dank des Königs entlassen wurden, ebenso 
später der Einzug jedes zurückkehrenden Regiments zu einem Freuden— 
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empfangen. Da erfuhr man, daß er bereits an seinem Geburtstage, dem 
3. August, in aller Stille nach Potsdam gekommen sei und von einem 
feierlichen Einzuge nichts wissen wolle. Das kränkte die Berliner, die 
ihren Dank und ihre Freude öffentlich bekunden wollten. Auf ihre Bitte 
willigte der König ein, am 7. August bei der Rückkehr der Garde mit 
den Prinzen, den kommandierenden Generalen und vor allem mit dem 
Fürsten Blücher an deren Spitze einzureiten. 
Bei dieser Gelegenheit wurde die Quadriga zum zweiten Male ent— 
hüllt, die Napoleon 1806 entführt hatte, um sie in Paris auf einem Triumph— 
bogen aufzustellen. Dieser war aber noch nicht vollendet, die sechs riesen— 
haften Kisten, welche die einzelnen Teile des Denkmals enthielten, standen 
noch unausgepackt da, wie sie aus Berlin gekommen waren und konnten 
nun auf sechs⸗— und achtspännigen Wagen wieder zurückgebracht werden. 
In allen deutschen Städten, durch die sie kamen, erregten sie als sichtbare 
Zeichen des Sieges die größte Aufmerksamkeit und Freude, wurden sie 
mit Kränzen und Bändern, mit Bildern und Inschrifttafeln geschmückt, 
in Hannover allein mit mehr als hundert Inschriften in Prosa und in 
Versen, die fast alle darin übereinstimmen, daß sie Berlin beglückwünschen 
und „die preußischen Helden, die Retter Deutschlands“ rühmen. Acht 
Jahre lang war das Brandenburger Tor seines Schmuckes beraubt ge— 
wesen. Eine oben über der Mitte in die Höhe ragende kahle Eisenstange
	        
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