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Full text: Berlin in Geschichte und Gegenwart / Goldschmidt, Paul (Public Domain)

Kriegsakademie. 
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Anforderungen an die Vorbildung gesteigert worden, seit 1849 wird das 
Abiturienten-Examen gefordert. 
Zur besseren Ausbildung von Offizieren war 1788 eine Ingenieur— 
Akademie und 1791 eine Artillerie-Akademie errichtet worden. Scharnhorst, 
der 1801 als Oberstleutnant aus hannöverschem Dienst in das preußische 
Heer trat, änderte ihren Lehrplan und begründete neben ihnen 1804 eine 
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übernahm. Nach dem unglücklichen Kriege wurden 1810 alle drei Anstalten 
zusammengefaßt in der „Allgemeinen Militär-Akademie“. Während des Be— 
freiungskrieges war die Akademie geschlossen, alle ihre Offiziere standen im 
Felde. Nachher erhielt sie als Kriegsakademie eine größere Ausdehnung neben 
einer 1816 neu eingerichteten, selbständigen „Artillerie- und Ingenieurschule“. 
Diese bezog ein von Schinkel für sie Unter den Linden erbautes Haus. Nach 
dem Kriege von 1870 wurde sie bedeutend vergrößert und nach Charlottenburg 
verlegt, dreißig Jahre später hat sie einen ganz anderen Charakter er— 
halten, als „Militärtechnische Akademie“, wie sie seit 1903 heißt, soll sie 
jetzt den Offizieren aller technischen Waffen die Gelegenheit zu fachgemäßer 
wissenschaftlicher Ausbildung geben. Ihr Haus Unter den Linden wurde 
durch einen großen, sehr stattlichen und vornehmen Anbau nach der Doro— 
theenstraße zu erweitert und der Kriegsakademie übergeben, die bis dahin 
das einst für die Ritterakademie Friedrich des Großen in der Burgstraße 
erbaute Haus benutzt hatte. „Errichtet unter Friedrich Wilhelm III.“ sagt 
die Inschrift des schlichten, einfachen Hauses Unter den Linden, „Erweitert 
unter Kaiser Wilhelm J.“ steht an dem stolzen Prachtbau in der Dorotheen— 
straße. Diese beiden Seiten desselben Hauses repräsentieren wie kaum ein 
anderes Haus in Berlin zwei Epochen der preußischen Geschichte, die be— 
scheidenen Verhältnisse des durch große Kraftanstrengung im Befreiungs— 
kriege wiederhergestellten preußischen Staates und die glänzende Macht 
des durch neue große Leistungen geeinigten deutschen Reiches. 
Das Theater hatte in dieser Zeit unter Ifflands Leitung wieder 
droßes Ansehen gewonnen. Er war selbst ein vorzüglicher Schauspieler 
von ungezwungener Natürlichkeit und Wahrheit, anderen Schauspielern 
gegenüber neidlos und unbefangen, stets bemüht, ein einträchtiges Zu— 
sammenwirken zu erzielen. Dies wurde ihm erleichtert durch das hohe An— 
sehen, in dem er sowohl als Mensch wie als Schauspieler, als erfahrener 
Leiter und als beliebter Dichter zugleich bei den Schauspielern, beim 
Publikum und beim Könige stand. Der letztere ließ ein neues größeres 
und bequemeres Schauspielhaus bauen, es wurde am 1. Januar 1802 
eröffnet, bereits nach fünfzehn Jahren durch Feuer zerstört und dann an 
derselben Stelle durch Schinkels großen, schönen Bau ersetzt. Daß Iffland 
oft seine eigenen rührseligen Stücke und noch häufiger Kotzebues durch ihren 
Goldschmidt, Berlin. 10
	        
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