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XII. Aus der Kunst ins Leben

Full text: Von Sorgen und Sonne / Fuhr, Lina (Public Domain)

292 XII. Aus der Kunst ins Leben. 
geistigen Bedeutung kennen, sein Humor elektrisierte 
alles und wenn er gar mit seinen Judengeschichten 
anfing, wurden Tränen gelacht. 
Allzufrüh standen wir alle an Varnhagens 
Grab und sahen den greisen Alexander von Hum⸗ 
boldt ein stilles Gedenken an des Freundes ver⸗ 
schlossenem Sarge halten. Wir waren vielleicht 
zwölf bis fünfzehn Menschen, welche sich eingefunden 
hatten. Mit Hiersemenzel fuhr ich gemeinsam zum 
Kirchhof und ich weiß noch, wie wir auf dieser Fahrt 
von Vergangenheit und Zukunft sprachen, waren 
wir doch nun schon ein langes Stück Leben neben 
einander hergegangen. Ohne Sang und Klang 
wurde Varnhagen in die Erde gesenkt und ich hatte 
einen guten Freund weniger. 
Damals ahnten wir noch nichts von den späteren 
Enthüllungen, mit denen Varnhagens Nichte, Lud— 
milla Assing, das Andenken ihres Onkels verun⸗ 
glimpfte. Er hatte sie in sein Haus genommen, da 
sie verwaist war; die Schwester Ottilie war eine Art 
Gouvernante bei dem Schauspieler Baison in Ham⸗ 
burg gewesen und bald nach dessen Tode nach Ame⸗ 
rika gegangen. Erst war das Verhältnis zwischen
	        
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