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IV. Stuttgarter Tagebuchblätter

Full text: Von Sorgen und Sonne / Fuhr, Lina (Public Domain)

104 IV. Stuttgarter Tagebuchblätter. 
Post von hier über Frankfurt ab, nach Leipzig und 
dann nach Berlin. Ob ich wohl irgendwo Gast— 
rollen bekomme? Ich habe, glaube ich, nicht so viel 
Glück. — 
Soweit das Tagebuch. Ich weiß heute noch 
wohl, wieviel Tränen mich das Niederschreiben dieser 
stammelnden Notizen gekostet hat und keine nachträg⸗ 
liche Erinnerung könnte mich oder auch einen Frem— 
den besser in diese bitterste Zeit meiner Prüfung 
hineinversetzen. Aber die Tränen sind heute getrocknet 
und ich sehe mit klaren Augen darüber hin, und da 
steigt nun auch das Gute vor mir auf, das diese Zeit 
mir geschenkt hat, und die Überzeugung, daß doch 
wohl alles so recht war, löscht jede Spur von Bitter— 
nis hinweg. Es war ein notwendiges Glied in der 
Kette, die mein Leben umspannt, es war wie eine 
Vorsehung, deren hemmend-förderndes Walten ich 
später erst erkannte. Ich habe vielleicht nirgendwo 
soviel gelernt, wie in Stuttgart, für meine Kunst so⸗ 
wohl wie für mein Leben. Zwar das Theater selbst 
hatte daran keinen Teil. Aber die geringen An— 
sprüche, die das Engagement an mich stellte, machten 
mich zur fast unumschränkten Herrin meiner Zeit,
	        
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