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Fünfter Brief

Full text: Vertrauliche Theaterbriefe / Friedmann, Siegwart (Public Domain)

ιαπ(α Vertrauliche Theaterbriefe. 
pA. 
In tiefster Erregung erwiderte ich: 
Ich hätte einen solchen Brief nie und nimmer 
von ihm erwartet und nach allem, was ich bisher 
getan, auch nie verdient. Es verstehe sich jetzt von 
selbst, daß ich nach einer so beleidigenden Zuschrift 
hiermit den ernsthaften Wunsch mit Nachdruck aus⸗ 
spreche, er möchte meine Entlassung bei dem 
Direktionsrat befürworten, weil mir unter solchen 
Umständen jedes weitere Zusammenarbeiten mit 
ihm am Wiener Stadttheater zur Unmöglichkeit ge⸗ 
worden sei. 
CLange erfolgte kein Bescheid. Ich reiste von 
Gastein, dessen Aufenthalt mir durch dieses Erlebnis 
unleidlich geworden war, ab, und suchte ein anderes 
Fleckchen Erde auf. Die ganze Geschichte hatte mich 
so verdrossen und übellaunig gemacht, daß ich über— 
haupt nicht mehr in diesen Ferien studieren, sondern 
einmal ausschließlich meiner Erholung leben wollte. 
Mit einem kleinen Einspänner reiste ich durch 
das ganze Salzkammergut, Tirol, bis in die Schweiz 
XE 
meiner Freude Direktor Pollini und Ludwig Barnay. 
Wir verlebten sehr heitere Wochen, während meiner 
Unterhaltung mit ihnen machte ich auch Andeutung 
über meinen Konflikt mit Caube. 
Pollini, der überall, auch in der schönsten Natur—⸗ 
MI 
—69
	        
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