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Fünfter Brief

Full text: Vertrauliche Theaterbriefe / Friedmann, Siegwart (Public Domain)

ιια Vertrauliche Theaterbriefe. πιια 
Auch diese Spielzeit war zu Ende gegangen und 
außer den gewohnten Portionen, die er mir zuer⸗ 
teilt hatte, bekam ich diesmal nach Gastein noch als 
angenehme Zugabe die Rolle des Herzogs Septmonde. 
Sie erinnern sich, daß ich gelegentlich meines 
Laube erstatteten Berichts über das Stück „Die 
Fremde“ ihm erklärt hatte, daß ich am liebsten in 
diesem Stück gar nicht beschäftigt sein wollte, daß 
aber, wenn es nicht anders sein könnte, ich mich 
allenfalls nur für den Amerikaner Clarkson inter⸗ 
essierte. Dies wurde mir denn auch zugesagt. 
Und nun fühlte ich mich in den Vergen Gasteins 
plötzlich mit der Rolle überfallen, die ich in dem 
Stücke am meisten verabscheute. 
Ich schrieb an CLaube, daß ich ihn bäte, auf 
mich in „Etrangere“ zu verzichten, und daß ich, der 
ich doch ohnehin gezwungen sei, monatlich 25 —-26 
große Rollen zu spielen, wohl auch einmal darauf 
Anspruch machen kõönnte, in einem Stück nicht be— 
schäftigt zu sein. 
Auf diesen Brief erfolgte von Laube eine Ant⸗ 
wort der verletzendsten Art. die unter anderem auch 
den Satz enthielt: 
„Es fehlte nur noch, daß Sie Ihre Entlassung 
begehrten. Dieselbe wäre nicht aussichtslos, ich 
würde sie befürworten.“ 
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