Path:
Zweiter Brief

Full text: Vertrauliche Theaterbriefe / Friedmann, Siegwart (Public Domain)

ιι(α Vertrauliche Theaterbriefe. ιαιααα 
die Baronin, die mir mit heiterer Miene die Rolle 
in die Hand schob. 
„Na — lesen werden Sie doch schon können?“ 
Mit dieser lustigen Szene verzogen sich auch die 
Gehirnnebel und ich erklärte meine Bereitwilligkeit. 
Man begann. 
Es ging ganz leidlich, denn ich war schon wäh— 
rend der letzten Proben als Zuschauer zugegen, also 
ziemlich orientiert und las mit gutem Anstande die 
Kolle ab. 
Man lobte und ermutigte mich, und die Probe 
ging ganz passabel zu Ende. 
Die Baronin ersuchte mich, die Rolle doch ver—⸗ 
suchsweise bis morgen zu lernen; es würde ganz er— 
träglich mit mir gehen für den Fall, daß der Schu⸗ 
bert nicht wieder wohl sein sollte. 
Ich fühlte mich geschmeichelt, und mit wahrer 
Berserkerwut stürzte ich auf das Studium der Rolle. 
Bis zur nächsten Abendprobe war das Pensum 
auch bewältigt. 
Schuberts Zustand hatte sich nicht geändert und 
ohne eigentlich recht zur Besinnung zu kommen, be—⸗ 
fand ich mich mitten in einer Situation, die mir nicht 
unerwünscht war und die nun — gehe es wie es 
wolle — zu Ende geführt werden mußte. 
— ͤ 2]
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.