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Zur Einführung

Full text: Schleiermacher und seine Lieben / Herz, Henriette (Public Domain)

Zur Einfuͤhrung. 
In welchen Schreibtischen mag das freilich schon nicht mehr 
lückenlose Päckchen Briefe der Henriette Herz das neunzehnte 
dJahrhundert verschlummert, wer mag die vermorschenden 
Blätter sorglich vor gänzlichem Untergang bewahrt haben? 
Mit einer gewissen ehrfürchtigen Scheu haftet der Blick auf 
den Zeilen und ehe man sich entschließzt, Seite für Seite 
zu lesen, huscht der Gedanke durchs Gehirn, daß Niemand 
das Recht hat, sich der Geheimnisse Anderer zu bemächtigen, 
in die vertraulichen Ferngespräche „unter vier Augen“ ein— 
zudringen. Hat doch dieselbe Hand, welche jenen Blättern 
vor einem Jahrhundert ihre Gedanken anvertraute, fast ihre 
sämtlichen Briefschaften in zarter Rücksichtnahme dem Feuer 
übergeben zu müssen geglaubt. 
Aber schnell schwinden jene Bedenken. Denn Henriette 
Herz hat selbst später eingesehen, daß sie durch jene Ver— 
nichtung die Nachwelt wichtiger Quellen für die Geschichte 
ihrer Zeit und ihrer berühmten Freunde beraubt hat. Das 
allzu rege Gewissen mag sich auch bei dem Gedanken be— 
ruhigen, daß längst Gras über den Hügeln aller Beteiligten 
mit ihrem Langen und Bangen gewachsen ist. 
So mögen denn die schlichten Briefe einer edlen und 
im Mittelpunkte des geistigen Lebens ihrer Zeit stehenden 
Frau, welche in „Empfindsamkeit“ erzogen wurde und in 
„Romantik“ strebte und lebte, der Vergessenheit entrissen 
werden. Wer das Zeug hat und sich genug Zeit nimmt, sie 
mit dem Herzen zu lesen, der wird es uns Oank wissen, daß 
wir ihn nicht mit viel Anmerkungen und Hinweisen stören, 
während er die Zeiten der lieben Argroßeltern vor sich er— 
stehen sieht. 
Für den, der trockene Feststellungen sucht, sind sie im 
Namensverzeichnis am Ende des Buchs zu finden. Wer sie 
schleiermacher und seine Cieben.
	        
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