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Zweiter Teil. 1874-1877 Achtes Kapitel. Die Abberufung Herrn von Gontauts

Full text: Meine Botschafterzeit am Berliner Hofe 1872-1877 / Gontaut-Biron, Élie de (Public Domain)

Schritte des Fürsten Hohenlohe. 
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erkannte, mit welcher Beharrlichkeit er immer wieder auf die Un— 
möglichkeit zurückkam, mit Ihnen ein offenes Wort sprechen oder 
auch nur mit einigem Nutzen die notwendigen Dinge erörtern zu 
können. Dagegen glaubte ich dem Fürsten Hohenlohe einwenden 
zu können, wie Ihr kurz vorher mir zugegangenes Telegramm 
den Beweis liefere, daß diese Auseinandersetzungen zwischen dem 
Reichskanzler und Ihnen doch nicht so schwierig zu sein scheinen, 
und hoffentlich von Erfolg sein würden. Hohenlohe frug mich, 
ob ich etwas näheres über diese Unterredung wisse. Ich beschränk— 
te mich natürlich nur auf einige Allgemeinheiten, aber auf solche, 
auf die ich Wert legte. 
„Daraufhin entschloß sich der Botschafter, mir eine eben er— 
haltene Depesche vorzulesen. Sie war am J. Januar von Berlin 
abgegangen, trug aber das Datum des 80. Dezember. Dieser 
Umstand war für mich und für ihn von besonderem Interesse, 
denn wir konnten daraus entnehmen, daß sie vor Ihrer Be— 
sprechung abgefaßt und unterschrieben worden war, daß man sich 
aber nach derselben die Zeit genommen hatte, die Absendung der 
Note zu verschieben. Sie war nach Form und Inhalt außer—⸗ 
ordentlich scharf gehalten.“ 
Nach Aufzählung der gegen einen Teil des Botschaftsperso— 
nals gerichteten Beschwerden fuhr der Herzog Decazes fort: 
„Von Herrn Sayve ging Herr von Bülow mit einer geschick— 
ten Wendung auf Herrn von Polignac über, kam aber schließlich 
auf den Botschafter selbst zu sprechen, der den Versuch mache, „in 
Berlin die Traditionen des Hofes der Kaiserin Katharina II. fort- 
zusetzen, der aber wissen sollte, daß man in unserem Jahrhundert 
ühnliche Zustände nicht mehr dulde, ein Beispiel dafür sei Eng— 
land, wo das Kabinett sich die von der Königin mit den Gesandten 
unterhaltenen Ministerfeindlichen Beziehungen nicht gefallen 
lasse.“ Dann lenkte er zum Schluß meine ganze Aufmerksamkeit 
auf den Wunsch des Kanzlers, künftig nicht mehr mit Ihnen in 
Beziehungen treten zu wollen, zu dessen Mitteilung an mich er 
Hohenlohe beauftragt“) hatte. 
) Man kann mit diesem Brief des Herzog Decazes die Schilderung des Für— 
sten Hohenlohe in seinen Denkwürdigkeiten vergleichen, in der er unter dem Datum 
des 18. Dezember 1875 seine Unterredung mit dem Reichskanzler über den gleichen
	        
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