Path:
Zweiter Teil. 1874-1877 Achtes Kapitel. Die Abberufung Herrn von Gontauts

Full text: Meine Botschafterzeit am Berliner Hofe 1872-1877 / Gontaut-Biron, Élie de (Public Domain)

344 
Die Abberufung Herrn von Gontauts. 
mich darauf anredeten, habe ich kurz und abfällig geantwor— 
tet.“ 
Ein- oder zweimal sah sich Herr von Gontaut dennoch ge— 
nötigt, um dem Herzog Decazes im Bedarfsfalle die Unterlagen 
für eine etwaige Erwiderung zu liefern, in seinen Privatbriefen 
die gegen ihn erhobenen Beschuldigungen Punkt für Punkt zu 
widerlegen. 
Er schämte sich beinahe, äußerte er, genötigt zu sein, auf 
diese eigentlich einem Altweiberklatsch gleichenden Einzelheiten 
eingehen zu müssen, und man kann, wenn man diese Briefe liest, 
wohl begreifen, daß ihn beim Niederschreiben ein Gefühl der Be— 
schämung erfüllt hat. Es wäre unerfreulich, ihm bei allen den 
Berichtigungen, zu denen ihn die Polemik der deutschen Zeitungen 
nötigte, zu folgen. So war er z. B. genötigt, zu seiner Recht— 
fertigung erklären zu müssen, daß er den Propst der Hedwigs— 
kirche nicht kenne, sondern sich lediglich darauf beschränkt habe, 
bei demselben drei Tage nach seiner Ankunft in Berlin seine 
Karte abzugeben. 
„Alle Behauptungen der preußischen Zeitungen sind falsch,“ 
schrieb er. „Man werfe ihm vor, sich weder in den offiziellen 
Cerkles noch bei dem Reichskanzler sehen zu lassen.“ Nun gibt 
es aber gar keine anderen als die Hofgesellschaften. „Weder der 
Reichskanzler, noch die Minister, noch die bedeutenden Persönlich— 
keiten des Hofes oder der politischen Welt empfangen die Diplo— 
maten. Fürst Bismarck gibt ihnen alle Jahre ein Diner aus An— 
laß des Geburtsfestes des Kaisers. Für die geschäftlichen Be— 
ziehungen wünscht er selbst, daß man mit Herrn von Bülow ver—⸗ 
kehrt, was ich nie vernachlässigt habe. Der letztere hat mir noch 
in diesem Winter ausgesprochen, daß unsere gegenseitigen Bezie— 
hungen, ebenso wie diejenigen Hohenlohes zu Ihnen, für beide 
Länder sehr förderliche seien. Und was die Führer der ultra— 
montanen Partei betrifft, wie Reichensperger, Windthorst u. a., 
so habe ich es ausdrücklich vermieden, ihre Bekanntschaft zu ma— 
chen, und sie haben das gleiche mir gegenüber beobachtet. 
„Ich könnte noch hinzufügen, daß weder Graf Arnim, noch 
Fürst Hohenlohe sich eine ähnliche Zurückhaltung auferlegt und 
verrn Thiers sehr häufig gesprochen haben.... Unter den Leuten,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.