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Zweiter Teil. 1874-1877 Sechstes Kapitel. Deutschland und die Parteien in Frankreich

Full text: Meine Botschafterzeit am Berliner Hofe 1872-1877 / Gontaut-Biron, Élie de (Public Domain)

Deutschland und die Wahlen 1876. 
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peinlichster Sorgfalt aufzuzeichnen und darüber an den Minister 
zu berichten. Diese Aufgabe wurde ihm diesmal wesentlich dadurch 
erleichtert, daß diese Eindrücke in Deutschland in der Presse und 
im täglichen Gespräch mit großer Klarheit und Übereinstimmung 
zum Ausdruck kamen. 
Schon am 26. Februar, ehe noch die Ergänzungswahlen 
stattgefunden hatten, konnte er dem Minister schreiben, daß die 
deutschen Zeitungen ohne Ausnahme sich über die Wahlresultate 
sehr befriedigt äüßerten. „Am meisten Eindruck macht ihnen, 
so daß sie das übrige beinahe ganz mit Stillschweigen übergehen, 
die Niederlage des Klerikalismus, dieses schwarzen Gespenstes, 
das ihnen immer vor Augen steht, und das die deutschen Staats— 
männer als einen Gegenstand des Schreckens für das Ausland wie 
für das eigene Land darzustellen bemüht sind. In dieser Bezie— 
hung gibt ihnen das Glaubensbekenntnis der gemäßigten oder 
radikalen republikanischen Abgeordneten genügende Sicherheit, 
und sie begrüßen deren Sieg über die konservativen Kandidaten 
jeder Schattierung. Um gerecht zu sein, muß man hinzufügen, 
daß sie mit der gleichen wohlbegreiflichen Befriedigung auch die 
friedlichen Versicherungen verzeichnen, die alle Republikaner für 
zut fanden, in ihre Wahlprogramme aufzunehmen. 
„Die Aufrechterhaltung des Friedens und die Vernichtung 
des Klerikalismus,“ so sagen sie, „hat die republikanische VPartei 
als ihre vornehmste Aufgabe versprochen ...“ 
Vor noch nicht langer Zeit war für sie der Name Gambetta 
gleichbedeutend mit der Revanche und der sozialen Zerrüttung ge— 
wesen. Dasselbe galt auch für die Namen Lockroy und Floquet. 
Jetzt zählte man sie mit einem gewissen Stolz zu den Anhängern 
des Kulturkampfes. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung“ 
hatte nur Lobeserhebungen für sie, und versicherte, daß sie sich die 
Achtung Europas erworben hätten. Die „Post“, die im vergan— 
genen Jahr den berüchtigten „Krieg in Sicht“-Artikel gebracht 
hatte, erklärte, Frankreich habe nur ei nen Wunsch: den Frieden. 
Der „Reichsanzeiger“ veröffentlichte einen ausführlichen Bericht 
über eine Rede Gambettas in Lyon. Kurz, man überschüttete 
Frankreich mit warmen Glückwünschen und ganz ungewohnten 
Versicherungen der Sympathie.
	        
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