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Erster Teil. 1872-1873 Erstes Kapitel. Die ersten Anfänge der Botschaft

Full text: Meine Botschafterzeit am Berliner Hofe 1872-1877 / Gontaut-Biron, Élie de (Public Domain)

Das erste Hoffest. 
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Dering, die Gattin des englischen zweiten Sekretärs u. a. Der 
König hielt sich nur kurz bei mir auf, umsolänger die Königin, die 
wieder voll Liebenswürdigkeit war, wie bei meiner ersten Audienz. 
Nach Beendigung ihres Rundganges begaben sich die Majestäten 
mit ihrem Gefolge in den nächsten Saal, in welchem die Standes— 
herrn, die Herzöge und Prinzen mit ihren Damen versammelt 
waren, und endlich in die Räume mit der übrigen zur Cour be— 
fohlenen Gesellschaft. Währenddessen verfügte sich das diploma— 
tische Korps in den sogenannten Weißen Saal, in dem das Kon— 
zert stattfinden sollte, auf einem ziemlich weiten Weg durch ver— 
schiedene größere Räume, unter anderen eine lange Galerie, in 
der Offiziere von der Berliner und den benachbarten Garnisonen 
versammelt waren. Der Saal füllte sich allmählich mit den Per— 
sonen, die dem Kaiser und der Kaiserin ihre Huldigung dar— 
gebracht hatten, und die nun, nach ihrem Rang, die ihnen bestimm- 
ten Plätze einnahmen. Zuletzt, eine starke halbe Stunde nach uns, 
erschienen die Majestäten mit den Mitgliedern der Königlichen Fa— 
milie und alle Welt setzte sich. 
Die Stühle standen in der Hauptsache in der Längsrichtung 
des Saales, senkrecht zu der Estrade der Musiker. Der Kaiser und 
die Kaiserin saßen auf ihrem Thron, rechts und links die Prinzen 
und Prinzessinen von Geblüt, hinter ihnen die Großwürdenträger 
des Reiches mit ihren Angehörigen. Rechts vom Kaiser saß die 
Kronprinzessin, der Prinz Karl, die Herzogin von Mecklenburg, 
Tochter des Prinzen Albrecht, Prinz Friedrich Karl und Prinz 
Adalbert, Admiral und General-Inspekteur der Marine. Links 
von der Kaiserin, der Prinz Arthur, Herzog von Connaught, ein 
scharmanter junger Prinz, Sohn der Königin von England, und 
Bruder der Kronprinzessin, die Prinzessin Marie, der Kronprinz, 
der Großherzog von Mecklenburg, ein Sohn der Schwester des Kö— 
nigs, endlich noch Prinz Alexander. Die Prinzessinnen hatten 
prachtvolle Toiletten, bemerkenswert besonders durch die langen 
und reichen Schleppen, die, nachdem die Damen sich gesetzt hatten, 
von den Pagen sorgfältigst und in tunlichster Breite vor ihnen 
uüber den Stufen geordnet wurden. Die Königin trug ein weißes 
Kleid, mit langen kastanienbraunen Samtstreifen und großen 
Schleifen von gleicher Farbe. Den Hals schmückten zwei pracht—
	        
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