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Zweiter Teil. 1874-1877 Drittes Kapitel. Die Krisis 1875 (Fortsetzung). Das Eingreifen Europas

Full text: Meine Botschafterzeit am Berliner Hofe 1872-1877 / Gontaut-Biron, Élie de (Public Domain)

502 Die Krisis 1875. (Fortsetzung.) Das Eingreifen Europas. 
grüßte. Auch der Kronprinz war besonders freundlich gegen 
mich. Mir schien dieses gnädige Entgegenkommen des Kaisers 
und des Kronprinzen gegen uns ein ganz beabsichtigtes zu sein. ... 
Die kaiserliche Gnade wurde, wie ich zu erkennen glaubte, auch in 
der Gesellschaft sehr bemerkt ...“ 
So verschwand die Aufregung, die Europa so sehr in Atem 
gehalten hatte. Während aber Vertrauen und Beruhigung in die 
Gemüter einzog, kamen der Ärger und der Groll in der Seele des 
Reichskanzlers, der sich auf das Land zurückzog, nicht zur Ruhe. 
Seinen schmerzlichen Gedanken muß sich nunmehr unser Interesse 
und unsere Sorge zuwenden. — 
— 
Viertes Kapitel. 
Die Rrisĩs 1875. (Fortsetzung.) Die Sorgen des Reichskanzlers. 
Der Reichskanzler tritt den Rückzug an. — Die Verwahrung der offiziösen Presse. 
— Allgemeiner Zweifel, dem sie begegnen. — Mißstimmung über den Reichs— 
kanzler. — Der Triumph des Fürsten Gortschakow. — Ein mangelhaft übersetztes 
Telegramm. — Rede des Lord Derby im Oberhaus. — Verwirrung der offiziösen 
Presse. — Die angebliche Rolle Osterreichs während der Krisis. — Verteidigungs- 
rede des Reichskanzlers im Reichstag. — Zurückweisung dieser Rede durch Herrn 
von Gontaut. — Der Groll des Reichskanzlers gegen den Botschafter. — Ihre 
erste Begegnung nach der Krisis. — Zweite Verteidigung des Fürsten Bismarck in 
seinen Gedanken und Erinnerungen. — Schlußfolgerung. — 
Die vorstehend geschilderte Krisis hatte für den Fürsten Bis— 
marck mit einer allgemein fühlbaren diplomatischen Niederlage 
ihren Abschluß gefunden, die er schon seit der Durchreise des Gra— 
fen Schuwalow durch Berlin vorausgesehen. Er hatte auch ver— 
sucht, diese Tatsache abzuschwächen oder zu verschleiern, indem er 
in der offiziösen Presse alle ihm zur Last gelegten kriegerischen Ab— 
sichten in Abrede ziehen ließ, und zwar geschah dies mit einer ge— 
wissen Eile, um nicht den Eindruck des Zwanges zu erwecken. Am 
Abend der Ankunft des Zar in Berlin brachte die „Norddeutsche 
Allgemeine Zeitung“ ganz überraschend folgenden Artikel: „Die
	        
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