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Erster Teil. 1872-1873 Erstes Kapitel. Die ersten Anfänge der Botschaft

Full text: Meine Botschafterzeit am Berliner Hofe 1872-1877 / Gontaut-Biron, Élie de (Public Domain)

Audienzen bei den Prinzen. 
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hatte, von der Fürstin Marie Radziwill, und meiner Verwandt— 
schaft mit ihr, von deren Mutter, die sie sehr liebte, ihrem Vater 
und ihrer Schwiegermutter, die sie mit Recht reizend fand. 
Darauf erhob sie sich, und führte mich in den Salon zurück, 
wo die Botschaftssekretäre mit den Damen zurückgeblieben waren. 
Ich hatte die Ehre, ihr die Herren vorzustellen, die sie freundlich 
empfing. 
Mit einer leichten Verneigung gab sie uns das Zeichen zum 
Aufbruch, und wir entfernten uns. 
Unter denselben Feierlichkeiten, wie bei der Ankunft, erfolgte 
unsere Abfahrt und Rückkehr in das Hotel. Wir waren im ganzen 
drei Viertel Stunden abwesend gewesen. Mein Herz war erleich— 
tert. Diese Audienz, an die ich seit meiner Ernennung mit Ban— 
gen gedacht hatte, war vorüber; ihr Verlauf hatte sich denkbar 
günstig gestaltet, und wurde in Berlin als ein ausnahmsweiser 
betrachtet; alle dabei Beteiligten waren von der ausgesuchtesten 
Höflichkeit und Zuvorkommenheit gewesen. Wie üblich, trugen 
alle Hofchargen, die den Orden der Ehrenlegion besaßen, dessen 
Insignien, wir, der Kaiser, und der Fürst Bismarck; letzterer 
wohnte meiner Audienz ausnahmsweise bei, und zeigte eine offene 
und heitere Miene, die ihm nur selten eigen ist. Alles dies wurde 
besonders bemerkt, aber man darf nicht vergessen, daß der ganze 
Vorgang eine Art Krönung des Sieges war, die des für meine 
Person an diesem Tage gemachten Aufwandes der Deutschen wohl 
wert war. 
An den folgenden Tagen wurde ich nach einander von den 
Prinzen der kaiserlichen und königlichen Familie empfangen. 
Nicht ohne lebhaften Widerwillen ging ich, dem Prinzen Friedrich 
Karl meine Aufwartung zu machen, dem härtesten und unerbitt— 
lichsten unserer Feinde, der in einer Proklamation „die Vernich— 
tung Frankreichs“ gewünscht hatte. Ich war entschlossen, mich 
ihm gegenüber ehrerbietig, aber zurückhaltend und würdevoll zu 
verhalten. Ich muß gestehen, daß er sehr entgegenkommend war, 
und zuweilen lächelte, zwei Dinge, über die selbst die Preußen sich 
wunderten. Seine Gemahlin hat ein sehr gewinnendes Äußeres, 
ist hübsch, aber sehr schwerhörig, und spricht fließend Franzö— 
sisch, was man von ihrem Gatten nicht behaupten kann. Dieser, 
Gontaut⸗Biron.
	        
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