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Zweiter Teil. 1874-1877 Erstes Kapitel. Der Zwischenfall der bischöflichen Hirtenbriefe

Full text: Meine Botschafterzeit am Berliner Hofe 1872-1877 / Gontaut-Biron, Élie de (Public Domain)

374 Der Zwischenfall der bischöflichen Hirtenbriefe. 
Fürsten Bismarck. Bei einer späteren Begegnung mit einem An— 
gehörigen der Botschaft äußerte er zu diesem: „Sie müssen in 
Frankreich sehr vorsichtig sein. Achten Sie sehr darauf.“ 
Man sieht aus diesem Briefe, daß die ungestüme Sprache der 
Bischöfe zu keinem ungeeigneteren Moment sich einstellen konnte. 
Die französische Regierung erkannte die Gefahr, schon ehe Herr 
von Gontaut darauf aufmerksam gemacht hatte, und entschloß sich, 
dem Reichskanzler mit dem Anerbieten einer Genugtuung zuvor— 
zukommen, ohne ihm die Zeit zu lassen, eine solche zu verlangen 
oder zu bestimmen. Der Kultusminister forderte in einem Rund— 
schreiben vom 26. Dezember die Bischöfe auf, aus Klugheit und 
Patriotismus die öffentliche Beurteilung und Verdammung der 
Handlungen fremder Herrscher zu unterlassen, und der Herzog 
Decazes hielt es für zweckmäßig, von diesem Schritt den deutschen 
Botschafter zu benachrichtigen. 
„Er hat sich über diese Mitteilung nicht weiter ausgespro— 
chen,“ schrieb er am 2. Januar an Herrn von Gontaut, „und ich 
bin darüber hinweggegangen, da ich kein besonderes Verlangen 
hatte, seine Gedanken dabei festzuhalten....“ 
„Noch wage ich nicht, die Angelegenheit als erledigt anzu— 
sehen.“ — 
Auf die telegraphische Nachricht von dem Erlaß des Rund— 
schreibens begab sich Herr von Gontaut in der Voraussicht, daß der 
Reichskanzler den Zwischenfall ausgiebig verwerten werde, und in 
der Absicht ihn zu entwaffnen, alsbald zu Herrn von Bülow, um 
ihn über die Maßregel der französischen Regierung zu verstän— 
digen. 
Er berichtete darüber am 8. Januar an den Herzog Decazes 
nachstehendes: „.... obwohl Eure Excellenz mir in dieser Be— 
ziehung keine Instruktionen gegeben haben, hielt ich doch eine Un— 
terredung mit dem Staatssekretär des Auswärtigen für ange— 
bracht, um die bei der Regierung durch den Zwischenfall hervorge— 
rufene Beunruhigung zu beschwichtigen. 
„Ich frug ihn, ob er durch Graf Arnim benachrichtigt sei, daß 
die französische Regierung, über die Wirkung der Hirtenbriefe im 
Ausland besorgt, alsbald Veranlassung genommen habe, die Bi— 
schöfe zu ermahnen und künftig zu größerer Vorsicht aufzufordern.
	        
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