Path:
Zweiter Teil. 1874-1877 Zweites Kapitel. Die Krisis des Jahres 1875

Full text: Meine Botschafterzeit am Berliner Hofe 1872-1877 / Gontaut-Biron, Élie de (Public Domain)

Die ersten Anfänge der Botschaft. 
mir den peinlichen Eindruck, den er durch die Angelegenheit ge— 
wonnen, nicht verbarg. 
Ich gestehe, daß ich einen gewissen Widerwillen hatte, beim 
Beginn meines Berliner Aufenthalts meine Wünsche einem Herr— 
scher darzubringen, der eben erst mein Vaterland besiegt, ernie— 
drigt und beraubt hatte. Ich hätte mich jedoch diesem, an allen 
Höfen üblichen Gebrauch nicht entziehen können, wenn ich vor 
dem 1. Januar in Berlin eingetroffen wäre. Dieser Grund, in 
Verbindung mit anderen außerhalb meines Willens liegenden 
Verhältnissen, bestimmte mich, Paris erst am 8. Jannar 1872 zu 
verlassen. Man wird die verschiedenartigen Gefühle verstehen, 
die mich bewegten, als der Augenblick des Abschieds von meiner 
Familie und von meinen Freunden nahte, um mich zur Über— 
nahme meiner Mission aus meinem Vaterlande zu verbannen. 
Ich beziehe mich hier auf meine zu dieser Zeit niedergeschriebenen 
Notizen, und werde dies im Verlauf der Erzählung häufiger tun. 
Vielleicht verliert sie dadurch in mancher Beziehung, aber sie wird 
an Aufrichtigkeit, und um mich des Ausdrucks zu bedienen, an lo— 
kaler Färbung gewinnen. 
Am Donnerstag, den 4. Januar 1872, kam ich in Berlin an. 
Auf dem Bahnhof wurde ich von dem Personal der Botschaft 
empfangen: der Marquis von Gabriac, der beinahe unmittelbar 
nach dem Friedensschluß nach Berlin gekommen war, versah dort 
die Funktionen des Geschäftsträgers, und hatte es verstanden, sich 
ebenso die Sympathie der Deutschen, als die Anerkennung seiner 
eigenen Regierung zu erringen, Herr F. Debains, zweiter Sekre— 
tär, Graf Raymond von Kergorlay, und zwei Attachés, darunter 
Herr von Bacourt. Ich brachte von Paris den Botschaftsattaché 
Graf d'Aubigny mit. Da jedoch das Botschaftshotel noch von der 
Familie des Herrn von Gabriac bewohnt war, nahm ich Wohnung 
im Hotel Royal, Ecke der Wilhelmstraße und Unter den Linden. 
Am Tage nach meiner Ankunft richtete ich an den Fürsten 
Bismarck die Bitte, mich ihm vorstellen zu dürfen, um ihm die Ab— 
schrift meines Beglaubigungsschreibens zu überreichen, und ihn 
zu ersuchen, beim Kaiser anzufragen, an welchem Tage er mich in 
Audienz zu empfangen geruhen wolle. Eine Stunde später 
empfing ich ein äußerst höfliches Schreiben des Fürsten: er ent—
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.