Path:
Erster Teil. 1872-1873 Achtes Kapitel. Die Befreiung des Landesgebietes

Full text: Meine Botschafterzeit am Berliner Hofe 1872-1877 / Gontaut-Biron, Élie de (Public Domain)

Ersatz des Grafen Arnim; Anderungen in der Diplomatie. 269 
dem er die Gesandten eingeladen zu sehen wünschte. Nachstehend 
lasse ich einige Zeilen meiner Notizen folgen, weil darin von dem 
Vertrage vom 15. März die Rede ist: 
Die Königin sprach mich mehrere Male an. Nachdem sie mir 
für das Fest in der Botschaft gedankt, äußerte sie ihre besondere 
Befriedigung darüber, daß mein Name unter dem Vertrag stehe, 
worin sie eine Belohnung für das große Opfer erblicke, das ich mit 
der UÜbernahme der Vertretung Frankreichs in Deutschland ge— 
bracht habe. Darauf unterhielt sie mich, nach ihrer Gewohnheit, 
über ihre Besorgnisse für die Zukunft. Auf allen Seiten scheint 
ihr der Himmel mit Gewitterwolken bedeckt, der moralische Zer— 
fall schreitet fort, ihr Herz ist fortdauernd bedrückt. — 
Am 4. April besuchte mich Bleichröder und machte mir ver— 
schiedene vertrauliche Mitteilungen, betreffs des Nachfolgers des 
Grafen Arnim in der Botschaft in Paris; wahrscheinlich werde sie 
dem General von Manteuffel übertragen, und Graf Arnim, we— 
nigstens auf einige Zeit, nach London geschickt werden. Er selbst 
würde Rom vorziehen, aber Bismarck wird ihm den Gefallen nicht 
tun. Diese Änderungen dürften übrigens dem Anschein nach 
nicht von langer Dauer sein; später denkt man an den Grafen 
Münster für London, an den Prinzen Reuß für Paris, wohin er 
gerne zurückkehren möchte, an den Grafen Hatzfeldt für Dresden, 
Herrn von Keudell für Rom an Stelle von Konstantinopel, das 
er wahrscheinlich an Herrn von Radowitz abtreten würde; usw. 
Bezüglich der nach Paris zu sendenden Persönlichkeit, deutete ich 
ihm an, daß der neue Botschafter, er sei wer er wolle, im Interesse 
einer guten Aufnahme, jedenfalls erst nach der vollständigen Räu— 
mung dort eintreffen dürfe, was auch nach der Äußerung Bleich— 
röders beabsichtigt war. 
Darauf fragte er mich im Vertrauen und in der Voraus— 
setzung, daß ich ihm antworten wolle, ob es wahr sei, daß ich bei 
dem Fürsten Bismarck die Abberufung des Grafen Arnim bean— 
tragt, oder daß wenigstens Thiers, auf dem einen oder anderen 
Wege, einen bezüglichen Wunsch geäußert habe. Ich konnte ihm 
ohne Bedenken mit voller Offenheit antworten, daß ich darüber 
nie eine Silbe, weder gegen den Reichskanzler noch irgend einen 
Beamten des auswärtigen Amtes geäußert hätte, was ihn in
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.