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Erster Teil. 1872-1873 Achtes Kapitel. Die Befreiung des Landesgebietes

Full text: Meine Botschafterzeit am Berliner Hofe 1872-1877 / Gontaut-Biron, Élie de (Public Domain)

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Die Befreiung des Landesgebietes. 
einbarten Terminen weit vorausgeeilt, und daß daher der Zeit— 
punkt gekommen ist, um die in dem vorjährigen Gesetz über die 
Kriegskostenentschädigung noch vorbehaltenen Fragen zu entschei— 
den. Das von mir im vergangenen Jahr an dieser Stelle ausge⸗ 
sprochene Vertrauen auf eine Entwickelung der inneren Zustände 
Frankreichs im Sinne der Beruhigung und der wirtschaftlichen 
Fortschritte ist nicht getäuscht worden. Ich begründe hierauf die 
Hoffnung, daß der Augenblick nicht mehr ferne sein werde, wo die 
vollständige Abwickelung unserer finanziellen Auseinandersetzung 
mit der französischen Regierung die gänzliche Räumung des fran— 
zösischen Gebietes früher, als in Aussicht genommen war, herbei— 
führen wird ....“ — Nach Verlassen des Reichstages begab 
ich mich zu dem Reichskanzler. Unsere Unterredung war kurz aber 
entscheidend. Ich setzte ihn von der Antwort Thiers' und seiner Zu⸗ 
stimmung zum Ersatz von Belfort durch Verdun in Kenntnis. 
„Wir verlangen die Anordnung der Räumung der 4Departements, 
mit Belfort, ausgenommen Verdun, auf den 1.Juli, diejenige Ver⸗ 
duns am 1. September. Wir wünschen, daß die erstere nicht län— 
ger als 14 Tage,“) höchstens drei Wochen dauere. Wenn Sie aus— 
drücklich diese Fristen für unzureichend erklären, werden wir uns 
mit den von Ihnen geforderten 4 Wochen für die erstere, und mit 
10 Tagen für diejenige Verduns, einverstanden erklären.“ 
Der Fürst versicherte mir, unter Anführung verschiedener 
technischer Einzelheiten, daß der Zeitraum von 4 Wochen kaum 
ausreichend sei, um das gesamte Material zu verladen und abzu— 
führen, der Transport der Kriegsmunition erfordere z. B. allein 
800 - 1000 Eisenbahnwagen. Für seine Person nahm er das Aner— 
bieten von Verdun an Stelle von Belfort an, „aber,“ meinte er, „ich 
muß darüber erst mit Herrn von Moltke sprechen, der voraussicht⸗ 
lich mit dem Ersatz einverstanden sein wird, und dann mit dem 
Kaiser, bei dem ich gleichfalls auf keinen Widerstand zu stoßen 
hoffe;“ er schrieb in meiner Gegenwart ein Gesuch um Audienz an 
den Kaiser, das, wie er nicht zweifele, trotz eines Familienfestes 
aus Anlaß der Rückkehr des Kronbrinzen aus Wiesbaden geneh— 
x) Diesen Wunsch sprach ein am Tage vorher von Herrn von Remusat an 
Herrn von Gontaut gesandtes Telegramm aus. In der oben angeführten Devesche 
Thiers' war er nicht enthalten.
	        
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