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Erstes Kapitel. Jugend. Erster Koalitionskrieg. 1769 bis 1795

Full text: Denkwürdigkeiten des Generals Friedrich von Eisenhart / Eisenhart, Friedrich von (Public Domain)

Jugend. Erster Koalitionskrieg. 1769 bis 1795. 9 
Einst hatte ich den Vorposten an der Brücke, welche unweit 
Nachod in Böhmen die Grenze machte. Meine Vedetten standen 
diesseit, die österreichischen jenseit der Brücke, nicht 15 Schritte 
voneinander. Als ich die Chaine beritt, traf ich einen Obersten 
— wenn ich mich nicht irre, so war dies ein Graf v. Hohen— 
zollern — nebst zwei Offizieren auf der Brücke halten, die mich 
freundlich grüßten und zu einem Gespräch aufforderten. Wir 
unterhielten uns einige Zeit, bei welcher Gelegenheit der Oberst 
mich versicherte, daß er nicht an Ausbruch des Krieges glaube 
und lihn] auch nicht wünsche, indem wir besser täten, gegen 
einen gemeinschaftlichen Feind zu marschieren. Er ersuchte mich, 
mit ihnen ins nahe Dorf zu reiten und ein Glas Ungarwein mit 
ihnen zu trinken. Allein obgleich der Krieg noch nicht erklärt 
war, so wollte ich dennoch mich nicht dazu entschließen und 
dankte sehr, indem ich die Ankunft des Generals vorgab. 
Nur kurze Zeit blieb das Regiment in dieser Gegend und 
wurde demnächst in die Nähe von Reichenstein') längs der öster— 
reichisch-schlesischen Grenze disloziert. 
Da wir wenig oder keinen Dienst hatten, überdies die Frie— 
densunterhandlungen einen glücklichen Fortgang in Reichenbach 
hatten und dem Abschluß nahe waren,?) so nutzten wir unsere 
Zeit, das nahe Johannesberg, woselbst der Fürstbischof von 
Schaffgotsch seine Residenz hatte, häufig zu besuchen. Derselbe 
war zwar auch Bischof von Breslau, allein da er bekanntlich im 
Siebenjährigen Kriege sich feindselig gegen den Großen König 
bewiesen und sogar flüchtig werden mußte, so durfte er die preu— 
ßischen Länder nicht betreten.“) Er bezeigte sich jetzt sehr wohl— 
wollend und gastfreundlich gegen die preußischen Offiziere, und 
besonders ich hatte mich seiner ausgezeichneten Gunst zu er—⸗ 
1) Wohl Reichenberg, in dessen Nähe Johannesberg liegt. 
2) Der Vertrag zu Reichenbach wurde am 27. Juli 1790 abge— 
schlossen. 
3) Philipp Gotthard Graf v. Schaffgotsch, 1748 bis 1795 Fürst⸗ 
bischof von Breslau, war nach dem Siebenjährigen Kriege nach Oppeln 
verwiesen worden, von dort aber im Frühjahr 1766 nach Johannesberg 
entflohen.
	        
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