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Zehntes Kapitel. Kommando zum Gouvernement von Berlin. Dezember 1808 bis Mai 1809

Full text: Denkwürdigkeiten des Generals Friedrich von Eisenhart / Eisenhart, Friedrich von (Public Domain)

Beim Gouvernement Berlin. Dez. 1808 bis Mai 1809. 191 
unter den heiligsten Versicherungen bestätigt, wodurch mir nun— 
mehr nichts übrig blieb, als ihm die schriftliche Ordre des Gou— 
verneurs zu überreichen, nachdem ich ihn zuvor versichert hatte, 
daß ich nur im höchsten Notfall und ganz gegen mein Gefühl 
hiervon Gebrauch machen müsse, daß jede Widersetzung nichts 
helfen würde, da das Dorf seit einer Stunde schon durch ein 
Kommando besetzt sei, und daß ich ihm noch einmal den Freund⸗ 
schaftsrat geben wolle, sich zu bequemen, wobei ich ihm noch die 
Versicherung gab, daß er in Berlin ganz frei sein und frei 
handeln könne, wenn er nur zuvor den Gouverneur und den 
General Grafen v. Tauentzien gesprochen haben würde. 
Als er die Ordre des Gouverneurs an mich las, wurde er 
wütend, sprang zu seinem Säbel, riß das Portepee ab und trat 
es mit Füßen, indem er sagte: „Da liege! ich habe Dich wieder 
zu Ehren bringen wollen, nun kann ich es nur mit Schande 
tragen.“ Werder und ich suchten ihn zu beruhigen, allein es 
währte lange, ehe sich der Sturm in seinem Innren legte. End— 
lich fragte er mich, ob ich wirklich den Befehl habe, ihn lebend 
oder tot zu bringen, worauf ich bloß mit den Achseln zuckend 
erwiderte: „Der Soldat muß gehorchen, wenn auch mit 
schwerem Herzen. Aber, fuhr ich fort, vertrauen Sie meinem 
Worte, in Berlin sind Sie völlig frei und können, nach der 
mündlichen Versicherung des Generals Grafen v. Tauentzien 
selbst wieder hierher oder wohin Sie wollen, wenn Sie nach 
einer Unterredung mit ihm es noch für angemessen halten.“ 
„Nun gut,“ rief er aus, „ich folge Ihnen sogleich.“ 
Während er sich völlig anzog, bat Werder mich, einige Er⸗ 
frischungen zu mir zu nehmen, und da in dem Nebenzimmer 
noch einige Reste eines Soupers vorhanden waren, so ließ ich 
es mir in der Tat gut schmecken, denn ich hatte den ganzen Tag 
hindurch noch nichts genossen. Doch verließ ich den v. Hirschfeld 
nicht mit den Augen und mußte dies umsomehr, da seine Offi⸗ 
ziere fortwährend heimlich mit ihm sprachen und mein Vor— 
geben eines im Dorfe befindlichen Kommandos eine bloße List 
war, die leicht entdeckt werden konnte, wenngleich es stockfinster war.
	        
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