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Siebentes Kapitel. Die Expedition nach Pommern. Bei Blücher in Treptow a. R. Mai 1807 bis April 1808

Full text: Denkwürdigkeiten des Generals Friedrich von Eisenhart / Eisenhart, Friedrich von (Public Domain)

Pommern und Treptow. Mai 1807 bis April 1808. 149 
wieder äußerst tätig, um das schwache, aber so brave, preußische 
Armeekorps zu verstärken, und verwandte jede Minute des 
Tages zu diesem Geschäfte. Der General v. Rüchel hat zwar viele 
Gegner gehabt und ist auch wohl in manchen Stücken nicht ganz 
zu vertreten, indessen bestand sein einziger Fehler in einem zu 
großen Sitolz und einer ungemessenen Äußerung seiner Mei—⸗ 
nungen, ohne die schuldige Berücksichtigung aller Verhältnisse, 
wenn er glaubte, recht zu haben. Seine Liebe und Verehrung 
für den König war aber grenzenlos. Er bezeugte sich gegen 
mich gleich wohlwollend wie früher und beschäftigte mich in 
seinem Bureau, wobei er den Wunsch äußerte, daß ich bei ihm 
bleiben könnte. Allein der General v. Blücher hatte mich dem 
Könige bereits zum Kommandeur einer Eskadron seines Regi— 
ments vorgeschlagen, die bisher von einem Rittmeister Frey— 
burg von dem Dragoner-Regiment Prinz Wilhelmi) komman⸗ 
diert wurde, und dem die Husaren nicht Subordination leisten 
wollten. Diese Eskadron bestand größtenteils aus zügellosen 
Menschen, die sich selbst ranzioniert hatten und stark verwildert 
waren. Der König genehmigte den Vorschlag, ernannte mich 
zum Rittmeister und gab mir den Orden pour le mériteé als 
Beweis seiner Zufriedenheit und Anerkennung meiner gelei— 
steten Dienste. 
Die Königin versammelte alle Abend zum Tee einen kleinen 
Kreis, bei welcher Gelegenheit jeder Scharpie zupfen mußte. Der 
General v. Blücher erhielt ebenfalls seine Aufgabe, versuchte 
aber während dem Erzählen seiner Fata selbige in seine Säbel— 
tasche zu praktizieren. Die Königin merkte es bald und machte 
ihm nun den Krieg, wobei es denn zur Kapitulation kam, in 
welcher festgesetzt wurde, daß er am folgenden Tage jedesmal 
die Scharpie abliefern mußte. Mir aber gelang es nicht, in 
gleicher Art zu verfahren, und ich mußte unter manchem Seufzer 
den ganzen Abend zupfen, worüber sich die Königin und sämt— 
liche Hofdamen herzlich amüsierten. 
9) Die Rangliste von 1806 vergzeichnet einen Kapitän v. Freyberg 
im Dragoner-Regiment Nr. 1 (König von Baiern).
	        
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