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Sechstes Kapitel. Reise nach Preußen und Auswechslung Blüchers gegen den Marschall Victor. März bis April 1807

Full text: Denkwürdigkeiten des Generals Friedrich von Eisenhart / Eisenhart, Friedrich von (Public Domain)

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Sechstes Kapitel. 
gegenstände, indem der Marschall Victor ebenfalls an den fran⸗ 
zösischen Vorposten ausgeliefert werden solle. 
Natürlich waren wir äußerst gespannt auf den folgenden 
Tag; der General selbst versicherte lachend, daß das eine kuriose 
Unterhaltung werden müsse, wenn nicht ein Dolmetscher gegen⸗ 
wärtig sei, da er sich nicht auf „franzsch“ verständlich machen 
könne. 
Es war gegen 10 Uhr, als.wir in Finkenstein ankamen,) 
und Napoleone) war schon mit Abnahme der Parade be— 
schäftigt, daher sahen wir nur noch das Leib-Kavallerie-Regi-— 
ment der Kaiserin, welches erst aus Frankreich angekommen 
und, wenn ich mich nicht ganz irre, erst seit kurzem errichtet war, 
und in welchem sich eine große Anzahl junger, sehr reicher Pa⸗ 
riser Freiwilligen befand. 
Auch war es in der Tat ein schöner Anblick, die prachtvollen 
Uniformen und schönen Pferde zu sehen, indessen sah es mit der 
Reiterei erbärmlich aus, da mehrere Offiziere beim Vorbei⸗ 
traben die Bügel verloren und sich an dem Sattel halten 
mußten, worüber selbst die Offiziere in der Umgebung des 
Kaisers das Lachen nicht zu unterdrücken vermochten. 
) Nach dem Msifkr. R. begleiteten Blücher sein ältester Sohn und 
Eisenhart dahin. 
Mfkr. R: Hier war es nun, wo wir zum ersten Male den stolzen 
Eroberer, die Geißel der Menschheit, erblickten. Wir können die Gefühle 
unmöglich beschreiben, welche uns bei Erblickung dieses Mannes ergriffen. 
Jede seiner Bewegungen schien uns studiert und Nachahmung des 
wahrhaft großen und einzigen Friedrichs zu sein. Aber wie entgegen⸗ 
gesetzt wirkte alles, was wir von Napoleon sahen, auf unsere Herzen! 
Jener ein Held und Beglücker seines Volks, ein edler Mensch, der die 
Pflichten eines Monarchen mit denen eines Vaters seiner Untertanen 
zu vereinigen wußte, der Segen über seine Staaten ausbreitete, Kultur 
und gute Sitten beförderte, kurz durch seine Regierung glücklich macht. 
Dieser ein Tyrann, der sich jedes Mittel erlaubt, selbst die schändlichsten 
Zwecke zu erringen, der Fluch seines Zeitalters, ein zähneknirschendes 
Ungeheuer, das Menschenblut wie Wasser vergießt, um seinem grenzen⸗ 
losen Stolz ein Opfer zu bringen.
	        
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