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Sechstes Kapitel. Reise nach Preußen und Auswechslung Blüchers gegen den Marschall Victor. März bis April 1807

Full text: Denkwürdigkeiten des Generals Friedrich von Eisenhart / Eisenhart, Friedrich von (Public Domain)

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Sechstes Kapitel. 
Furage erhielten, jedoch würde ich unter keiner Bedingung 
sagen woher, überdem wüßte ich es selbst nicht mit Bestimmt⸗ 
heit, sondern vermutete es nur. Aber um ihm einen Beweis 
meiner Gefälligkeit zu geben, wolle ich zwei Scheffel bei einge⸗ 
tretener Dunkelheit in seinen Stall schicken, wofür ich zwar 
nichts verlange, aber auch auf seine Verschwiegenheit bestimmt 
rechne. 
Dadurch nun wurde er völlig zufriedengestellt und mir 
seine besondere Verbindlichkeit auf das heiligste zugesagt. Aber 
dies war nicht alles, was er auf dem Herzen hatte, und womit 
er nur Schritt vor Schritt sehr vorsichtig vorkam. Endlich sagte 
er, wie es ihm klar sei, daß ich das Ohr des Marschalls Blücher 
hätte — denn so wurde der General von den Franzosen immer 
genannt — daher möchte ich ihm doch aufrichtig sagen, was der⸗ 
selbe von dem Ausgange dieses Krieges und von der russischen 
Allianz halte, ob es nicht besser für den König sei, mit Napoleon 
Frieden zu schließen, da er wohl glaube, daß der Kaiser nicht 
abgeneigt sei, einen ehrenvollen Frieden zu gewähren, und daß 
er für seine Person glaube, daß kein Mensch den König leichter 
hierzu bewegen könne als Blücher. Er spreche mit mir als 
Freund und Olrdens⸗-] Blruderli) und versichere mich, daß er 
den König immer sehr hochgeachtet habe; er sei schon im Jahre 
1793 demselben, wenn auch nicht persönlich, bekannt sgewordenl, 
da er Kommandant von Landau damals gewesen, welches der 
König als Kronprinz gegen ihn blockiert habe. Ferner versicherte 
er, daß er unsern gefangenen Offizieren in Gotha, woselbst er 
einige Zeit befehligte, aus seiner Tasche Unterstützungen gereicht, 
und was dergleichen Erzählungen mehr waren. ehe er zur 
Hauptsache kam. 
Daß hier etwas im Hinterhalt sein mußte, war nicht schwer 
zu erraten, indem ich mir schon hinlängliche Kenntnis von der 
schwierigen Lage, worin sich die französische Armee befand. ver⸗ 
schafft hatte. Um jedoch schneller zum Zweck zu gelangen, ver⸗ 
traute ich dem General Däntzel, daß sowohl mir als vielen Offi⸗ 
zieren in der Armee diese Allianz mit Rußland unvorteilhaft 
1 Wohl als Freimaurer.
	        
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