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Fünftes Kapitel. Blüchers Kapitulation bei Ratkau und Aufenthalt in Hamburg. November 1806 bis März 1807

Full text: Denkwürdigkeiten des Generals Friedrich von Eisenhart / Eisenhart, Friedrich von (Public Domain)

102 Fünftes Kapitel. 
„Ich muß leider kapitulieren, weil es mir an allem fehlt 
und ich zu schwach bin,“ sagte er zu mir, „meinen Sohn Franz“) 
habe ich zu Bernadotten geschickt, der mein alter Bekannter ist, 
und hoffe, eine ehrenvolle Kapitulation zu erhalten. Er muß 
bhald zurückkommen, und vielleicht einige französische Offiziere 
mit ihm, um die Kapitulation abzuschließen, also müssen wir 
eilen, daß sie das Geld nicht finden. Aber das Gold, Eisenhart. 
muß für mich gerettet werden.“ 
Da ich die Lage der Sachen nicht genau kannte und nichts 
weniger glaubte, als daß es so mit uns enden würde, so rief ich: 
„Ach, hätte ich dies ahnen können, so wäre ich nimmermehr 
wiedergekommen und würde schon zum Könige gekommen 
sein.“ 
„Plagt Sie der Teufel? Sie werden mich doch nicht ver—⸗ 
lassen wollen? und wo hätten Sie hingewollt? wir sind ja von 
allen Seiten umringt!“ rief der General aus, den ich jedoch ver⸗ 
sicherte, daß mir dies schon würde gelungen sein. Auch war 
dies wirklich nicht schwer, da die Straße nach Hamburg noch 
offen war, und ich auch vermöge einer vom Grafen Chasot und 
dem Leutnant**) v. Thile) etablierten Brücke selbst über die Elbe 
ohne besondere Schwierigkeiten zurückgehen konnte. Schlimm⸗ 
stenfalls konnte ich höchstwahrscheinlich durch Sachsen gehen 
und Schlesien erreichen. 
Bei dieser Gelegenheit muß ich bemerken, daß es mir 
scheint, als wäre es besser gewesen. wenn der General seinen 
Rückzug auf Hamburg dirigiert hätte, da die Kapallerie die oben 
*) Der Oberst v. Scharnhorst und Major Graf v. d. Goltz,ꝰ) 
Adjutant des Generals, waren im Wirtshause zu Lübeck überrascht und 
gefangen worden. 
*) Oder Hauptmann. 
) Ludwig Gustav v. Thile wurde im Juni 1807 Stabstapitän. 
1829 wurde er Generaladjutant, erhielt 1830 die 6. Division, wurde 
1835 zur Disposition gestellt. Unter Friedrich Wilhelm IV., zu dessen 
Vertrauten er zählte, war er von 1841 bis 1848 Schatzminister. 
2) Graf Karl Heinrich Friedrich v. d. Goltz (1772 bis 1822), später 
GBesandter in Varis.
	        
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