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Drittes Kapitel. Vor dem Sturm. Juli bis Oktober 1806

Full text: Denkwürdigkeiten des Generals Friedrich von Eisenhart / Eisenhart, Friedrich von (Public Domain)

Vor dem Sturm. Juli bis Oktober 1806. 75 
Der König war mit der Königin bereits in Erfurt ange— 
kommen, wohin sich auch sämtliche Korpskommandeure begaben. 
Die Herzogin von Hildburghausen war ebenfalls dahin abgereist, 
um ihre erlauchte Schwester nach langer Entbehrung wieder⸗ 
zusehen. Dies war mir sehr erwünscht, da ich gewiß sein 
konnte, daß diese vortreffliche Fürstin alles anwenden würde, 
um den König zu überzeugen, daß meine Berichte nicht grund⸗ 
los seien. Späterhin habe ich erfahren, daß der König am 
5. Oktober einen großen Kriegsrat gehalten, in welchem der 
General v. Rüchel auch meine Berichte vorgelegt und sich für 
die Richtigkeit derselben mit seinem bekannten Eifer und mit 
Heftigkeit verbürgt haben soll. Der Herzog soll durchaus von dem 
Gegenteil überzeugt gewesen ssein—) und meine Meldungen als 
unrichtig und übertrieben erklärt haben. Hierauf habe der König 
den Marquis Lucchesini,) der unlängst von Paris in Erfurt 
eingetroffen, um seine Meinung gefragt, und dieser habe ver⸗ 
sichert, daß Napoleon Paris bestimmt noch nicht verlassen, daß 
er zu viel Respekt vor der preußischen Armee habe, um jetzt zum 
Kriege überzugehen, daß noch kein Mann den Rhein passiert 
habe usw. Nun sei auch der König der Ansicht des Herzogs bei⸗ 
getreten und habe sich geäußert, daß der Marquis es doch wohl 
am genauesten beurteilen könne, da er erst Paris verlassen. Ob 
dies alles gegründet, kann ich zwar nicht behaupten, indessen ist 
dies mir von jemandem versichert worden, der es eigentlich wohl 
genau wissen konnte. 
) Marchese Girolamo Lucchesini, 1800 bzw. 1802 bis 1806 preu⸗ 
ßischer Gesandter in Paris. Er hat übrigens vor Napoleons Plänen 
auf das nachdrücklichste gewarnt, und Eisenharts Angaben sind in diesem 
Punkte offenbar unrichtig.
	        
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