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Das Kaiser Friedrich-Museum

Full text: Berliner Museums-Führer / Hach, Otto (Public Domain)

aus dem 12. Jahrh. und ihnen gegenüber ist eines 
der frühesten deutschen Tafelbilder, der 
Soester Altaraufsatz mit steilen Figuren 
auf Goldgrund aus dem 13. Jahrh. Im Pultschrank 
eine Fusswaschung und ein Abendmahl in 
Elfenbein aus dem 9. Jahrh., Metzer Arbeit. 
Der grosse, von drei schönen, von Baldung 
Grien stammenden Glasfenstern feierlich belich- 
tete Raum ist durch Scherwände geteilt und enthält 
ausser den Bildwerken der deutschen und nieder- 
ländischen Kunst mehrere .Tafelbilder der 
Ersten deutschen Renaissance. 
Später und langsamer als in den romanischen 
Ländern hat die Renaissance, das Wiederaufleben 
der alten klassischen Kunst, in Deutschland ein- 
Besetzt; aber sie hat sich doch durchgerungen 
und köstliche Früchte gezeitigt. Wenn auch nun 
Schon die nordischen Künstler dem Drange nach 
dem Süden nicht mehr zu widerstehen vermochten, 
Wenn sie auch in Italien eine Fülle von Anregung 
holten, ein deutscher Zug, ein eigenes Wesen 
Weht durch die neue Kunst. Die Baukunst ent- 
Wickelt aus den Vorbildern griechischer und 
tömischer Tempel und Paläste neue Gesetze für 
ihre nun auch mehr bürgerlichen Bauten; die Bild- 
hauer streben wie die griechischen Plastiker nach 
Vollkommenster Darstellung der Schönheit des 
Menschlichen Körpers, die Gewandung soll mehr 
Verraten als verhüllen, die Malerei strebt mit den 
Gesetzen der Perspektive eine reichere Grup- 
Pierung der Gestalten und mit der von van Eyck 
erfundenen Oelmalerei den Glanz und Schmelz in 
ihre Werke zu bringen. Infolge der Reformation 
auf kirchlichem Gebiete werden religiöse Bilder 
keineswegs verdrängt, aber sie werden immer 
Mehr der Spiegel eines tieferen, inneren Seelen- 
lebens mit liebevoller Versenkung in das Studium 
der Natur und der alten Kunstwerke. Mythe, 
Sage, Geschichte, Landschaft und Genre werden 
zur Darstellung gebracht: der eben erfundene
	        
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