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"Der Gott der Rache" von Schalom Asch

Full text: Vom Rückgang der deutschen Bühne / Goldmann, Paul (Public Domain)

Der Gott der Rache. J 317 
Eindruck hervorbringen, wenn sie im Gegensatz stünde zur 
Härte und zum Zynismus des Händlers mit menschlicher 
Ware. Shakespeare hat auch hier das große Vorbild ge— 
geben. Shylocks Szenen mit Jessica üben nicht am wenig— 
sten deshalb eine so starke Wirkung, weil wir diesen Vater, 
der seine Tochter liebt, vorher eben als den lieblosen, den 
unerbittlichen Shylock kennen gelernt haben. Der Autor hätte 
sich daran ein Beispiel nehmen sollen, da ja auch sonst die 
Figur des Shylock sicherlich nicht ohne Einfluß auf die seines 
Jankel gewesen ist. 
Das sind die hauptsächlichsten Mängel des Stückes von 
Schalom Asch. Andererseits muß aber auch gesagt werden, 
daß dieses Stück eine bemerkenswerte Begabung kundgibt, 
und zwar nicht nur eine dramatisch-technische, wie die Ber—⸗ 
liner Kritik gemeint hat, von welcher der Autor unterschätzt 
worden ist, sondern auch eine dichterische. Es fehlt dieser 
Begabung, wie gesagt, an Größe, an Kraft; aber dichterisches 
Empfinden ist unzweifelhaft vorhanden. Diese und jene Figur, 
um die ein poetischer Hauch schwebt, diese und jene Szene, 
die poetisch gestimmt ist, und manch ein Wort, das aus 
der Tiefe des Herzens kommt, machen es offenbar. 
Auf einen echten Dichter deutet vor allem das Be— 
streben des Autors, das Thema, das er behandelt, in eine 
höhere Sphäre zu heben. Schalom Asch hat sich nämlich 
bemüht, dem Konflikt, den sein Drama zum Gegenstand hat, 
auch eine religiöse Bedeutung zu verleihen. Jankel Schepscho— 
witsch kämpft um die Reinheit seiner Tochter nicht nur mit 
den Menschen, mit der Tochter selbst und deren Verführern, 
sondern auch mit seinem Gott. Etwas von der aufrührerischen 
Gesinnung Hiobs grollt in dem Drama. Jankel empört 
sich gegen Gott — gegen diesen Gott, von dem es heißt, 
daß er die Sünden der Väter heimsuchen wird an den Kin—
	        
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