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Der Rückgang

Full text: Vom Rückgang der deutschen Bühne / Goldmann, Paul (Public Domain)

Der Rückgang. 
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hat sie nicht hervorgebracht. Wohl aber hat sie einen Rück— 
gang bewirkt — einen Rückgang zunächst in der dra— 
matischen Technik. 
In der Malerei und in der Musik kann man zurzeit 
ähnliche Erscheinungen beobachten, wie in der dramatischen Lite⸗ 
ratur. Auch auf jenen Gebieten hat die moderne Bewegung die 
Erwartungen enttäuscht. Auch dort hat sie Künstler empor⸗ 
gebracht, denen von mächtigen Koterien das Prädikat der 
Größe verliehen wird, ohne daß sie es verdienen. Aber die 
moderne Bewegung in der Malerei und in der Musik ist 
wenigstens für die Technik dieser Künste von erheblichem Nutzen 
gewesen. Die Ausdrucksmöglichkeiten sind vermehrt, den 
Farben, dem Orchester sind bisher ungeahnte Wirkungen ab⸗ 
gewonnen worden. Die modernen Maler und Musiker sind 
glänzende Techniker, während gerade die technische Unzuläng— 
lichkeit eine charakteristische Eigenschaft der modernen deutschen 
Dramatiker ist. 
Nun wurde schon oben auf gewisse moderne Stücke ver⸗ 
wiesen, denen es an Handlung fehlt und deren Inhalt Schil—⸗ 
derungen, Wiedergabe von Stimmungen, Beobachtung von 
seelischen Nuancen bilden. Gewiß darf auch solchen Stücken, 
obwohl sie gegen die Grundsätze der Bühnentechnik verstoßen, 
die Bühne nicht verschlossen werden; und man wird ihnen 
gern nachsehen, daß sie nicht dramatisch sind, wenn sie nur 
sonst dichterischen Wert besitzen. Dramen dieser Art finden 
sich namentlich in der neuesten russischen Literatur (,Nacht⸗ 
asyl“ von Gorki, „Onkel Wanja“ und „Die Schwestern“ von 
Tschechow). Die Milieustücke der jungdeutschen Dramatiker hin— 
gegen besitzen im allgemeinen nicht dichterischen Wert genug, 
um für das Fehlen jeglicher Bühnentechnik zu entschädigen. 
Vor allem aber können Dramen der hier erwähnten Art 
höchstens eine Ausnahme bilden. Im allgemeinen muß
	        
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