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Antike Motive und moderne Skulptur

Full text: Ernst Herter / Malkowsky, Georg (Public Domain)

n einer Nische an der Hauptfaçade der königlichen Akademie der Künste be— 
J findet sich eine Gruppe von Ernst Herter. Auf einem Felsen sitzt, von 
einem leichten überwurf umflattert, dessen herabfallender Zipfel über den auf— 
gestützten linken Schenkel geschlagen 
ist, ein Jüngling von idealer Körper— 
bildung. Sein bartloses lorbeer— 
geschmücktes Haupt ist nach rechts 
oben gewandt, seine Hand rührt 
leise die Saiten einer Leyer. Zu 
seinen Füßen liegt in majestätischer 
Ruhe ein Tiger, während sich ein 
Reh langen Halses lauschend zu 
ihm hinaufschmiegt. Die Gruppe 
ist in gefälliger Silhouette frei in die 
architektonische Umrahmung hinein⸗ 
komponiert und baut sich regelrecht 
pyramidisch auf. Die Tierkörper 
sind naturalistisch gehalten und mit 
Unterdrückung kleinlicher Details nur 
leise stilisiet. Brustkasten und 
Glieder des Leyerspielers weisen bis 
in die zum Gesange gespannten 
Halsmuskeln hinein reife männliche 
Formen auf. Der Gymnasialschüler 
benennt die Komposition mit einem 
Satzgefüge: „Orpheus zähmt die 
Tiere des Waldes durch seinen Ge— 
sang“, und der klassischer Bildung 
entbehrende Beschauer gibt ihr den 
Orpheus. 
Nischengruppe an der Kgl. Akademie der Künste. 
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