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Full text: Ernst Herter / Malkowsky, Georg (Public Domain)

10 Einleitung: II. Das künstlerische Berlin unter Friedrich Wilhelm IV. 
nicht ein Atelier geträumt, wie wir sie heute vielfach — freilich mehr noch als 
bei uns in Wien, München, Pest — antreffen, deren Einrichtung mit der der 
prächtigsten modernen Malerwerkstätten von der Gattung der Markartschen und 
Lenbachschen wetteifert. Alles, was an Farbigkeit erinnerte, und jede Spur von 
künstlerischem Luxus in Stoffen oder Möbeln war von diesen Ateliers der jüngeren 
Bildhauer, ebenso wie von den Arbeitsräumen Christian Rauchs selbst, streng 
ausgeschlossen. Das matte Graugrün des Wandanstrichs, das kalte Weiß des 
Gipses und Marmors, und das von Gips und Marmorstaub weiß gepuderte matte 
Braun der Dielen, der Holzkisten, Schemel, Modellierstühle, das verstaubte und 
verrostete Schwarz der Eisenöfen — das waren die einzigen Farben in diesen 
Räumen. Aber in der Brust jener Männer, welche in diesem kahlen, schmuck— 
losern, den kalten, feuchten Moderduft des immer naß gehaltenen Tons aushauchen- 
den Werkstätten arbeiteten, der noch in voller männlicher Jugendkraft und Frische 
stehenden Meister, wie der in der Mittätigkeit an deren Werken sich praktisch 
heranbildenden Schüler, schlugen warme, freudige, begeisterungsselige Herzen; 
Herzen mit sehr bescheidenen Ansprüchen an das Leben, aber von hohen Idealen 
und von der schönen Leidenschaft, sie zu verwirklichen, erfüllt.“ 
Das ist das künstlerische Milien, aus dem die noch lebende und wirkende 
dritte Generation des neoborussischen Hellenismus hervorging, voll spartanischer 
Einfachheit, bescheidenem Lebensgenusse nicht abgeneigt, aber auf Grund strenger 
Lehrzucht im Klassizismus einem neuen, die Erscheinungswelt unserer Zeit in sich 
aufnehmenden Ziele eifrig zustrebend, zu ihren Meistern Schadow und Rauch ver— 
ehrungsvoll aufschauend, aber immer von dem heißen Sehnen bewegt, die über— 
kommenen Formen dem modernen Ideengehalt entsprechend umzugestalten. Körper— 
liche und geistige Gesundheit ersetzt hier einen gewissen Mangel an schöpferischer 
Genialität, und handwerksmäßiges, an der eigenhändigen Bearbeitung des Materials 
erworbenes Geschick bewahrt vor den Fehlgriffen einer selbstherrlich und darum 
villkürlich schaltenden Technik.
	        
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