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Kaiserin Elisabeth von Österreich und Heinrich Heine

Full text: Ernst Herter / Malkowsky, Georg (Public Domain)

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X. 
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Kaiserin Elisabeth von Osterreich und Heinrich Heine. 
eine anonym veröffentlichte 
Denkschrift eingesandt, in der 
gegen das Denkmal energisch 
protestiert wurde. Der Fürst 
beauftragte den Chef der 
Reichskanzlei Dr. von Rot— 
tenburg, das Memorandum 
zu lesen und ihm Vortrag 
darüber zu halten. Dabei 
kam zur Sprache, daß man 
den Dichter anklagte, er hätte 
geäußert, man müßte dem 
Hohenzollernaar die Nägel 
beschneiden, da er so viel 
zusammengerafft hätte. Der 
Fürst meinte: „Hat denn 
Heine so unrecht gehabt? 
Können wir leugnen, daß der 
Rechtstitel Friedrichs des 
Großen auf Schlesien nicht 
einwandfrei war?“ Heine 
hat Napoleon J. verherrlicht. 
„Ich kann es ihm nicht verargen“, meinte Bismarck, „Ich hätte, wäre ich an seiner 
Stelle gewesen, kaum anders gehandelt. Hätte es mir, wenn ich wie Heine als 
Jude geboren wäre, gefallen können, daß man um acht UÜhr abends die Tore der 
Judenstadt abgesperrt, überhaupt die Juden unter die schwersten Ausnahmegesetze 
gestellt hat? Ein Heine mußte naturgemäß in dem Manne, der die französische 
Gesetzgebung in die Rheinlande brachte, die Ausnahmegesetze insgesamt aufhob, 
einen Erlöser von martervollem Drucke preisen.“ Am Schlusse des Vortrages 
bemerkte der Fürst: „Und vergessen die Herren denn ganz, daß Heine ein Lieder— 
dichter ist, neben dem nur noch Goethe genannt werden darf, und daß das Lied 
gerade eine spezifisch deutsche Dichtungsform ist?“ Inzwischen wurde der Kaiserin 
eine Menge der unflätigsten Pamphlete zugesandt, und endlich ermüdete die em— 
pfindsame Frau. Sie ließ mir mitteilen, daß sie nach solchen Vorgängen auf die 
Idee, dem Dichter in seinem Vaterlaunde ein Denkmal zu setzen, verzichten müßte. 
Das Komitee nahm nun die Sache selbst wieder auf und bestellte auf Grund 
eines Vertrages die Ausführung des letzten Denkmalsentwurfes für die Summe 
von dreißigtausend Mark. Es wurde eine Anzahlung von dreitausend Mark ge—
	        
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