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Das Kind

Full text: Die Basartante und andere Gesellschaftsbilder / Zobeltitz, Hanns von (Public Domain)

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Daß sie diese Briefe nicht vernichtet hat! 
Wie muß sie an ihnen gehangen haben! 
Vielleicht hat sie's oft, oft gewollt und 
immer wieder hinausgeschoben. Krank, 
innerlich zerbrochen, wie sie damals war. 
Bis dann der Tod kam. 
Darum begrüßte sie den fast wie einen 
Erlöser. Darum! Darum! Und wir Toren 
meinten, weil er sie von ihren körperlichen 
Qualen befreite! 
Daß sie — sie so schlecht sein konnte — 
Schlecht ꝰ 
Ganz langsam, ruckweise schob sich die 
rechte Hand hinein, öffneten sich, widerwillig 
fast, die Fingerglieder. Und die Augen des 
Geheimrats suchten in dem kleinen Bilde, 
musterten, forschten. 
So gar nichts stand in den kindlich lieben 
Zügen von Schuld und Schlechtigkeit geschrie— 
ben. Nicht einmal von heißer Leidenschaft, 
von starkem Sinnenleben. So klar — so 
sonnig rein — 
Und dennoch — dennoch 
Schuld? 
War er denn frei von Schuld? Hatte 
er das liebe, süße Geschöpf, das so einsam
	        
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