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Erster Teil. Die Museen 3. Das Kaiser-Friedrich-Museum

Full text: Führer durch Berlin's Kunstschätze, Museen, Denkmäler, Bauwerke / Gaulke, Johannes (Public Domain)

Die Gemälde-Galerie. 
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zu Athen im Areopag. Der Zauberer Elymas mit Blind— 
heit geschlagen. Paulus und Barnabas in Lystra. Die 
Steinigung des heiligen Stephanus. Die Bekehrung des 
Paulus. Der Tod des Ananias. Die Heilung des Lahmen. 
„Weide meine Schafe“. Der wunderbare Fischzug. 
Die Teppiche nehmen unter den Werken Raffagels einen 
hohen Rang ein. Ohne irgendeine räumliche Beschränkung 
konnte Raffael hier seine Eigenart frei entfalten; in der 
Kunst, die Gegensätze harmonisch ausklingen zu lassen, er— 
reicht er seine höchste Meisterschaft. Wenn er leidenschaftlich 
erregte Gruppen schildert, so weiß er denselben stets einen 
versoͤhnenden Abschluß zu geben, und fordert die Handlung 
eine häßliche oder gewalttätige Szene, so versteht er dieselbe 
durch die geschickte Gegenüberstellung schöner Gestalten zu— 
friedenstellend auszulösen. Alles Gewaltsame sucht er zu 
vermeiden und die Komposition so zu gliedern, daß das 
Auge des Beschauers stets einen Punkt findet, auf dem es 
mit Vergnügen haften bleibt. 
Trotz der Fülle an großen Aufträgen für Kirchen und 
Paläste vernachlässigte Raffael das Tafelbild keineswegs. 
Seiner römischen Periode gehören die herrlichsten Ma— 
donnenbilder an. Seinen Madonnen haftet kein transzen⸗ 
denter Zug mehr an; die körperliche Schönheit, die kraftvoll 
pulsierende Lebenskraft, die weibliche Anmut und das reine 
Mutterglück: das sind die Momente, die Raffael in seinen 
Madonnenbildern zum Ausdruck bringt. Die Berliner 
Galerie besitzt nur fünf kleinere Madonnen, die seiner 
früheren und mittleren Zeit angehören. Die Madonna 
di Casa Colonnac(um 1507; unvollendet geblieben) und 
die Madonna di Terranuovacum 1505) geben uns 
einen Hinweis auf den vornehm gemessenen Stil und die 
reine Empfindung Raffaels. Die drei anderen Madonnen sind 
Jugendarbeiten und haben als solche vorwiegend ein kunst- 
historisches Interesse. (Saal 48.) 
In der künstlerxischen Anschauung steht der Mönch von 
S. Marco, Fra Bartolomeo, Raffael sehr nahe. 
Er war ein Schüler des Cosimo Rosselli, bildete sich aber 
auch an Lionardo. Durch den Tod seines Freundes Savo— 
narola tief erschüttert, zog er sich 1498 in ein Dominikaner— 
kloster zurück, um für immer allen weltlichen Dingen und 
der Kunst zu entsagen. Raffael wußte ihn jedoch für die 
Kunst zurückzugewinnen. 
Bartolomeos Gemälde zeichnen sich durch die Tiefe 
der Empfindung und ein weiches Kolorit aus. Die meisten 
seiner Hauptwerte befinden sich in Florenz. Die Berliner
	        
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