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Erster Teil. Die Museen 3. Das Kaiser-Friedrich-Museum

Full text: Führer durch Berlin's Kunstschätze, Museen, Denkmäler, Bauwerke / Gaulke, Johannes (Public Domain)

Die italienischen Bildwerke des Mittelalters und der Renaissance. 61 
gegen erscheint der Gesichtsausdruck etwas verzerrt. (Ober⸗ 
geschoß, Saal 45.) 
Die Formensprache Michelangelos sich anzueignen, war 
das Ziel der folgenden Generationen. Aber nur wenige 
sind über den außeren Schematismus hinausgekommen. 
Der eifrigste Nachahmer Michelangelos war Baccio 
Bandinelli (1498 -1560), von dem das Museum ein 
Terrakottabildnis besitzt. Auch der durch seine Lebensschick— 
sale berühmt gewordene Benvenuto Cellini 
(1500 1571) reicht nicht im entferntesten an Michelangelo 
heran. Doch zählt seine Perseus-Statue in Florenz, deren 
Guß er in seiner von Goethe übertragenen Lebensbe— 
schreibung ausführlich schildert, zu den letzten Monumental— 
werken der Renaissance. 
In der Abteilung der italienischen Bildwerke treffen wir 
außerdem verschiedene polychrome Skulpturen der Hoch— 
renaissance (Saal 17) an, welche die höchste Blüte der Kunst 
darstellen, aber zugleich in der Virtuosität der Technik ihren 
nahen Verfall ankuͤndigen. Da ist die vor einem Baldachin 
sitzende Madonna mit dem Kinde von Benedetto da 
Masjano, ein Werk von bestechender Wirkung. Zwei Ma— 
donnen vvn Jacopo Sansovino veranschaulichen 
die Entwicklung des Madonnenideals am Ausgang des 
Cinquecento. Vie reife Kunst der Hochrenaissance ist ferner 
vertreten durch Arbeiten von FJac. Sansovino, Giov. 
Bologna, Christoforo Romano, Ales⸗ 
sandro Vittoria u. a. — 
Mit der zunchmenden Bedeutung Italiens als des vor— 
bildlichen Landes der Kunst lockerte sich das Verhältnis der 
italienischen Kunst zum Volksstum immer mehr. An die 
Stelle des stolzen Individualismus trat ein selbstgefälliges 
Virtuosentum; es wurde ein größerer Wert auf die pruntk— 
volle Form als auf die gedankliche Tiefe des Werkes gelegt. 
Ausländische Künstler übersiedelten nach Italien und lösten 
die monumentale Formensprache der italienischen Kunst voll— 
ends auf, wie der Fläme Jean de Boullogne, von 
dessen Werken der durch die Lüfte eilende Apoll und die lust!g 
bewegte Gruppe „Raub der Sabinerinnen“ eine weite Ver— 
breitung gefunden haben. Das Berliner Musenm besitzt 
eine in dem dekorativen Stil Jean de Boullognes gearbeitete 
Venus. 
Von den in Italien wirkenden Niederländern hat 
Franz Duquesnoy (von den Ztalienern Fiammingo 
genannt, abgeleitet von Vlaming — Flamländer) durch 
seine reizenden Kinderfiguren und Köpfchen einen großen
	        
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