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Erster Teil. Die Museen 3. Das Kaiser-Friedrich-Museum

Full text: Führer durch Berlin's Kunstschätze, Museen, Denkmäler, Bauwerke / Gaulke, Johannes (Public Domain)

Die altchristlich-byzantinische Abteilung. 
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unmittelbar aneinander an oder sind durch architektonische 
Glieder getrennt. Der Darstellungskreis gehört gleichfalls 
der Bibel und dem Legendenschatz an. Oftmals sind mehrere 
aus drei Figuren bestehende Gruppen zu einer fortlaufenden 
Handlung vereinigt. — Ein Relief, das sich in Komposition 
und Darstellung an die Antike anlehnt, zeigt die Figur des 
guten Hirten, links eine zweite Hirtenfigur mit einem 
Hunde. Darstellungen aus dem Hirtenleben, stark symboli— 
schen Gepräges, bilden einen bemerkenswerten Vorwurf der 
altchristlichen Sarkophagskulptur, aber auch das symbolische 
Bild der Taube ist häufig vertreten, daneben Szenen aus 
dem Alten Testament. 
Die höchste Blüte hatte um die Wende des 85. Jahr— 
hunderts die Mosaikkunst erreicht; sie kam namentlich 
in den Kirche Roms und Ravennas zur Aus— 
schmückung der großen Wandflächen in Aufnahme. Die 
musivische oder Mosaiktechnik, die sich mit der Zusammen⸗ 
setzung von verschiedenfarbigen Steinchen zu einem Bilde 
beschäftigt, ist in ihren künstlerischen Mitteln zwar außer— 
ordentlich beschränkt, da die in der Malerei unentbehrlichen 
Zwischentöne fortfallen, erweist sich aber zur Erzielung gro— 
ßer monumentaler Effekte als ein äußerst dankbares Mittel. 
Die römischen Mosaikbilder lehnen sich stärker an antike 
Vorbilder an, während in Ravenna, das im 5. und 6. Jahr— 
hundert nächst Rom das bedeutendste Kulturzentrum des 
Westens war, die byzantinischen Einflüsse in der Mosaikkunst 
stärker hervortreten. Das Mosaik aus der Apsis 
von S. Michele in Affricisco, das eins der wertvollsten 
Objekte des Kaiser-Friedrich-Museums darstellt (Saal 7), 
weist alle Besonderheiten des byzantinischen Kunststils auf. 
Die Zeichnung ist streng, die Gruppierung der Figuren fast 
pedantisch abgezirkelt. Den Mittelpunkt nimmt der jugend— 
liche Christus, bon Erzengeln umgeben, ein. Auf dem Rund— 
bogenfriese ist das göttliche Lamm (erneuert), das Symbol 
Christi, dargestellt; Links und rechts je fünf Tauben (ur— 
sprünglich waren es zwölf) als Sinnbilder der zwölf 
Apostel. Der stark ergängte Fries des Triumphbogens zeigt 
Christus als den göttlichen Richter, umgeben von den Erz— 
engeln Michael und Gabriel und den sieben Engeln des 
Zorns, welche mit ihren Posaunen das Jüngste Gericht an— 
kündigen. Darunter befinden sich die Gestalten des h. Cos— 
mas und des h. Damianus.
	        
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