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Erster Teil. Die Museen 1. Das Alte und Neue Museum.

Full text: Führer durch Berlin's Kunstschätze, Museen, Denkmäler, Bauwerke / Gaulke, Johannes (Public Domain)

20 Erster Teil. Die Museen. Das Alte und Nene Museum. 
sätze enthaltende Holzsarg des Ammonpriesters Pes-tenfi ist 
als ein besonders interessantes Exemplar zu nennen. Der 
mit Schiffsfiguren und Hieroglyphen geschmückte Sarg ist 
mit einem überwölbten Deckel versehen und von vier Eck— 
pfeilern eingefaßt. Der mittlere und innere Sarg hat die 
GBestalt einer Mumie und ist gleichfalls reich übermalt. 
Die Kunst, 
die im alten Reich manchen glücklichen Anlauf genommen 
hat, erfährt im mittleren und neuen Reich keine wesentliche 
Förderung. Nicht selten kann man auch die Erscheinung be— 
obachten, daß die Künstler auf alte Vorbilder zurückgreifen. 
Im Söulenhof haben zwei Königsstatuen Aufstellung ge— 
funden, die für die ägyptische Kunstauffassung von charakte— 
rischer Bedeutung sind. Die stark ergänzte Statue stellt den 
König Usertesen J. (um 2100 v. Chr.) dar, die andere 
Ramses 11. Obgleich Jahrhunderte zwischen der Ent— 
stehung dieser Steinkolosse liegen, ist ein Fortschritt in der 
Auffassung und Ausführung kaum wahrzunehmen. Bei der 
Beurteilung der ägyptischen Kunst müssen wir in erster Linie 
in Betracht ziehen, daß das höfische Zeremoniell, mit dem 
das öffentliche Leben der Agypter durchtränkt war, auch in 
der Kunst jede individuelle Regung im Keime erstickte. 
Eine größere Geschicklichteit haben die Ägypter in der 
Darstellung von Tieren erlangt; oft können wir in der Be— 
handlung einzelner Formen ein recht aufmerksames Natur— 
studium beobachten. Der Widder Amenophis III. 
(1450 v. Chr.) im Säulenhof ist in dieser Beziehung eine 
beachtenswerte Arbeit. Ungefähr derselben Zeit gehören die 
verschiedenen stehenden und sitzenden Figuren der löwen— 
köpfigen Kriegsgöttin Sechmet an. Kombinationen mensch— 
licher und tiexischer Formen treffen wir in der ägyptischen 
Kunst nicht selten an. Zweifellos hat auch hierzu die Mythe 
der Seelenwanderung den Anlaß gegeben. Die Sphinx, die 
Personifizierung des großen Welträtsels, ist die eigenartigste 
Außerung der von einer religiösen Zwangsvorstellung be— 
herrschten ägyptischen Kunst. Sie wird als eine Jungfrau, 
in deren Zügen sich keine menschliche Regung wiederspiegelt, 
mit einem Löwenkörper und Pranken dargestellt. Die be— 
rühmteste Sphinx und zugleich auch das kolossalste Bildwerk 
des Altertums befindet sich unfern der großen Cheops— 
pyramide. Das Berliner Museum besitzt verschiedene klei— 
nere, gut erhaltene Exemplare dieses rätielhaften Kunst— 
erzeugnisses. —
	        
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