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Full text: Führer durch Berlin's Kunstschätze, Museen, Denkmäler, Bauwerke / Gaulke, Johannes (Public Domain)

Das alte Berlin. 
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Broßen Kurfürsten, das von seiner starken künst— 
lerischen Begabung ein glänzendes Zeugnis ablegt, charak— 
terisiert den vorwärtsdrängenden Geist des neuen preußischen 
Staates auf das anschaulichste. Wie die großen Bild— 
hauer der italienischen Rengissance hat Schlüter durch 
scharfe Kontraste grandiose Wirkungen erzielt. Durch die 
vier Gestalten der Krieger, die, in Fesseln geschmiedet, sich 
ohnmächtig gegen das Schicksal aufbäumen, gelangt die 
majestätische Reiterfigur des Kurfürsten zur erhöhten Wir— 
kung. Das Denkmal ist den größten Bildhauerwerken aller 
Zeiten anzureihen. 
Durch Schlüters Wirksamkeit ist das Architekturbild 
Berlins im 18. Jahrhundert wesentlich bereichert worden; 
auch haben seine künstlerischen Schöpfungen selbst die Archi— 
tektur der Rokokozeit noch im günstigen Sinne beeinflußt. 
In Berlin ist der Rokokostil nie so vollkommen entartet und 
verwildert wie in einigen süddeutschen Residenzen und in 
Frankreich. Man kann daher mit gutem Recht von einem 
preußischen Rokokostil, der sich durch eine mäßige Bewegung 
der Architekturglieder und eine knappe Dekoration chärak— 
terisiert. sprechen. Der Baumeister, der unter Friedrich 
dem Großen die Stilrichtung der Berliner Architektur be— 
stimmte, war Georg Wenzeslaus von Knobels— 
dorfef. Er erbaute Schloßß Sanssouci, den neuen 
Flügel des Charlottenburger Schlosses und das Opern-— 
haus von 1741-1748, das nach einem Brande 1848 von 
C. F. Langhans wiederhergestellt und 1895 im Innern um— 
gebaut wurde. In der äußeren Architektur ist das Opern— 
haus von klassischen Bauformen durchdrungen, die aller— 
dings nach der Verunstaltung durch die eisernen Sicherheits— 
galerien und Treppen nicht mehr zu vollkommener Geltung 
gelangen. Den plastischen Schmuck des Opernhauses bilden 
die Statuen griechischer Dichter in der Säulenhalle und 
das große reich bewegte Relief des Giebelfeldes. 
Der Einfluß Knobelsdorffs macht sich namentlich an den 
unter der Regierung Friedrichs des Großen entstandenen 
Gebäuden, wie der Unibersität (1748 -1766 als Palais des 
Prinzen Heinrich erbaut) und der kgl. Bibliothek, von 1773 
bis 1780 erbaut, geltend. 
Die übrigen im 18. Jahrhundert entstandenen Bau— 
werke sind in späterer Zeit vielfach umgebaut worden und 
tragen daher nicht mehr, oder nur in einzelnen Teilen, den 
ursprünglichen Stilcharakter. So ist das im Jahre 1687 
bvon Nehring erbaute Kronprinzen-Palais in der 
Mitte des vorigen Jahrhunderts umgebaut und durch einen
	        
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