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IV. Der Ursprung des Backsteinhauses in den baltischen Ländern

Full text: Zur Kunstgeschichte / Adler, Friedrich (Public Domain)

Der Ursprung des Backsteinbaues in den baltischen Ländern. 69 
in den größeren Jahrbüchern von Kolmar, daß noch im Jahre 1298 
der Herr von Rapoltstein zu Gemar im Elsaß eine hölzerne Burg 
errichtet habe. Diese Meldung ist ein wertvolles Seitenstück zu den 
Mitteilungen über die Kirchen von Bremen und Mühlhausen. 
So leicht verständlich das langsame Aufhören, zuletzt das Aus— 
sterben des aus dem Süden übertragenen Backsteinbaues für uns ist, 
so auffallend ist sein Wiederauftreten nach langer Pause und an ganz 
entlegener Stelle. Kurz vor der Mitte des XII. Jahrhunderts er— 
scheint der Ziegelbau in Deutschland aufs neue, aber nicht da, wo man 
ihn naturgemäß erwarten sollte, in den Rheinlanden, sondern in den 
wendischen Gebieten östlich von der Elbe, deren Bewohner durch Sprache, 
Sitte und Religion von den deutschen Nachbarstämmen völlig geschieden, 
seit drei Jahrhunderten einen nicht ruhmlosen Kampf für ihre nationale 
Existenz geführt hatten. Indessen ist trotz des slawischen Bodens der 
Ziegelbau nicht slawischen Ursprunges. Das steht zweifellos fest, da 
wir, abgesehen von den älteren Angaben bei Adam von Bremen, über 
die Kulturzustände der Wenden im XII. Jahrhundert durch Herbords 
und Ebbos Berichte von den Missionsreisen des Bischofs Otto von 
Bamberg, sowie durch die Slawenchronik des Helmold und die dänische 
Geschichte des Saxo Grammatikus gut unterrichtet sind. Der Ziegelei— 
betrieb war in den Wendenländern unbekannt, der Holzbau und zwar 
in der Blockstruktur, war die volkstümliche Bauweise. Nicht nur für 
Hütten, Dörfer, Städte fand er ausschließlich Anwendung, sondern 
auch für Burgen, Tempel, Herrschersäle. Nur als seltene Ausnahme 
wird in den Quellen eines Steinhauses Erwähnung getan. 
Daher muß der Backsteinbau hierher übertragen worden sein, und 
es fragt sich, wann, von wem und woher? Diese für die Baugeschichte 
Deutschlands tief einschneidenden Fragen sind schon mehrfach behandelt 
worden, sowohl von einheimischen Forschern, wie von Gelehrten des 
Auslandes. Indessen ist man zu einem abschließenden Resultate nicht 
gekommen, da von der einen Seite noch heute die Herkunft aus Italien, 
von einer zweiten aus Dänemark, von einer dritten, zu der ich seit 
längeren Jahren gehöre, aus den Niederlanden behauptet wird und eine 
vierte gar den oberflächlichen Standpunkt vertritt, der Ziegelbau sei in 
Deutschland seit den Römerzeiten überhaupt nicht ausgestorben. Nach 
der obigen Darstellung der tatsächlichen Verhältnisse ist es überflüssig, 
auf diese letztere näher einzugehen. 
Italien, im engeren Sinne die Lombardei, würde den ersten An— 
spruch erheben können, als Ausgangspunkt zu gelten, weil in der an
	        
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