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II. Mykenä

Full text: Zur Kunstgeschichte / Adler, Friedrich (Public Domain)

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Mykenaä. 
Heraion bei Argos und für sämtliche sechs zu Mykenä. Alle liegen 
nicht inner- sondern außerhalb der Burgmauern und sind, wenn man 
an dauernd sichere Bewachung und vielfache Benutzung denkt, so un⸗ 
geeignet belegen als möglich. Wie will man ferner die sechs ganz 
zerstreut liegenden Schatzhäuser in Mykenä rechtfertigen? Endlich, 
wozu der Vorplatz, die feierliche Zugangsstraße, die mächtige Tür, der 
künstlich aufgeschüttete Hügel, alles Bauteile, die nirgends fehlen und 
bei einem Schatzhause — mit Ausnahme einer kleinen Tür — über— 
flüssig sind. 
Kurz, die nur auf Pausanias beruhende Schatzhaushypothese kann 
vor den Tatsachen nicht bestehen und wird aufzugeben sein. Nicht 
minder die Quellhaushypothese, die unter Heranziehung später Bei— 
spiele zu Kos, Rom und Tusculum auf ebenso schwachen Füßen steht, 
da Spuren von zugeleitetem oder aufquellendem Wasser in keinem der 
genannten Denkmäler bisher entdeckt worden sind. 
Hiernach bleiben noch zwei Hypothesen übrig: die Tholen seien 
unterirdische Rundtempel oder Gräber. Daß jetzt schon sechs solcher 
Hypogäen in Mykenä aufgefunden sind, alle um einen Hügel herum 
und ganz verschieden orientiert, entscheidet gegen die Tempelhypothese. 
Es sind Gräber, aber sicher keine Privatgräber, sondern Fürsten- oder 
Königsgräber. Man hätte diese Ansicht, welche Mr. Mure schon 1838 
mit guten Gründen vorgetragen hat und nach ihm Göttling und Welcker, 
nie verlassen sollen. Jeder Zug spricht dafür, daß dies das ursprüng— 
liche Bauprogramm gewesen ist: die Außenlage vor den Stadtmauern 
oder am Burgwege, die stattliche Zugangsstraße, die reiche Front, die 
hohe Tür, die dunkle Kuppel, der aufgeschüttete Hügel. 
Mit vollem Rechte ist ferner für diese Auffassung der Hinweis 
geltend gemacht worden, daß das Grab der Antigone bei Sophokles 
in derselben Reihenfolge: Hügel, Zugangsstraße, Tür und gewölbte 
Kammer vorgeführt wird. Es war eben der in des Dichters Zeit 
noch wohlbekannte Typus fürstlicher Gräber aus der Heroenzeit. Und 
anderseits beweist der Ruf der Elektra bei demselben Dichter: „auf 
dem Hügel dieses Grabes verkündige ich dies meinem Vater“, daß der 
Hügel als ein charakteristisches Merkmal für Achäergräber angesehen 
wvurde. 
Vergleicht man nun diese merkwürdigen Bauanlagen als Mausoleen 
mit den im Innern der Hochburg durch Dr. Schliemann gefundenen 
Gräbern, so treten Unterschiede hervor, wie sie baulich nicht schärfer 
gedacht werden können. Die Burggräber waren von Anfang an
	        
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