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IX. Das Schloß zu Berlin

Full text: Zur Kunstgeschichte / Adler, Friedrich (Public Domain)

Das Schloß zu Berlin. 
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fürsten vom 16. Mai 1667, das dieser mit kummervollem Herzen 
wenige Wochen vor dem Abscheiden seiner geliebten Luise eigenhändig 
niedergeschrieben hat, findet sich die denkwürdige Empfehlung für den 
Nachfolger: „Undt weill die Residentz nuhmer PFortificirt ist, So 
ist es nottig, das alda das große Magasin Sey: derhalben ein 
schön Zeughauß alda angelegt werden muß, da dan alle grosse 
Schwere Stucke auß den anderen Zeughausseren hinein gebracht werden 
müssen.“ 
Für Berlin ist es ein Glück gewesen, daß dieses so früh beab— 
sichtigte Arsenal erst ein Menschenalter später zur Ausführung gelangt 
ist. Im Jahre 1670 errichtet, wäre es ein solider Bedürfnisbau in 
holländischen Stilformen geworden, wie das Ballhaus im Lustgarten 
oder das Reithaus auf dem Werder. Friedrich III. steigerte sofort 
das Programm ins Ideale, er verlangte einen Prachtbau wie die 
Kurfürstenbrücke, aber auf der anderen Seite des Schlosses, am Ein— 
gange zur Dorotheenstadt. Durch die Wahl des Bauplatzes, mehr 
noch durch die Art der Ausführung, legte er mit diesem Bau den 
Grundstein zu der Prachtstraße, welche jetzt der schönste Schmuck 
Berlins ist. Sein Enthusiasmus, sowie der Ideenreichtum Schlüters 
in den Bildwerken haben den Bau selbst zu einem bisher unüber— 
troffenen Muster seiner Gattung erhoben. 
Der zweite Bau war eine Liebesspende für seine Gemahlin 
Sophie Charlotte in der Gestalt eines Landsitzes dicht bei Berlin. 
Der Kurfürst wählte wegen der bequemen Verbindung vom Schlosse 
aus zu Lande wie zu Wasser — auf Treckschuyten — einen Platz am 
waldigen Spreeufer, wo ein großer Garten mit schönen Alleen und 
Wasserbecken leicht anzulegen war. Das Ganze ein passendes 
Geschenk für eine Fürstin, die, mit einem seltenen Triebe zur wissen— 
schaftlichen Forschung ausgerüstet, den Umgang mit hochgebildeten 
Männern allen rauschenden Hoffesten vorzog und, sobald es anging, 
mit ihrer Musik in die stille Einsamkeit flüchtete. Den Bau erhielt 
Schlüter und er hat mit künstlerischem Takte die jenem ersten Programm 
entsprechenden, einfach edlen Grundlinien gezogen. Leider hat die 
spätere Erweiterung des als ein Musensitz gebauten Schlößchens durch 
unabsehbar langgestreckte Flügel die ursprüngliche Harmonie völlig 
verwischt, aber wohl erkennbar ist noch heut die Tatsache, daß erst 
mit dem Aufbau der Charlottenburg die Lindenallee ihren lang ent— 
behrten Zielpunkt gefunden hatte und der Tiergarten, wenn auch nicht 
gleich, eine durchgehende Achse erhalten konnte.
	        
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