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IV. Der Ursprung des Backsteinhauses in den baltischen Ländern

Full text: Zur Kunstgeschichte / Adler, Friedrich (Public Domain)

Der Ursprung des Backsteinbaues in den baltischen Ländern. 101 
Die vorstehende Abhandlung wurde im Mai 1884 vollendet. Bei 
Abschluß meines Werkes: „Mittelalterliche Backsteinbauwerke des Preu— 
zischen Staates“‘ gab ich 14 Jahre später zu beiden Bänden not— 
wendige Verbesserungen und Ergänzungen, wobei ich nicht versäumte, 
meinen Standpunkt als Kunsthistoriker gegen unberechtigte Angriffe zu 
wahren. Auch freute ich mich, daß der bescheidene Anstoß, den ich 
1887 dem Prof. Lange in Kopenhagen zur Untersuchung des Einflusses 
von Tournay auf Roeskilde gegeben, gute Frucht getragen hat, da es 
diesem scharfsinnigen Forscher 1890 gelang, die auf dem noch er— 
haltenen, höchst interessanten Briefwechsel zwischen französischen und 
dänischen Bischöfen beruhenden Beziehungen zwischen Tournay und 
Roeskilde nachzuweisen und somit auch die bauliche Übereinstimmung 
beider Kirchen zu erklären. Ich war auf diesen Punkt gestoßen bei 
nochmaliger Behandlung des Textes zu der Marien-Kirche auf dem 
Harlunger Berge bei Brandenburg, deren eigenartiger Grundriß als 
Kreuzkirche mit vier Türmen und vier Apsiden auch an Tournay er— 
innerte, aber in ihrem Aufbau das Formengewand gleichzeitiger 
sächsischer Bauten trug. Ich bedauere, daß eine ähnliche Frage: wie 
sich die plötzlich hervortretende Begünstigung des Backsteinbaues in 
Bebieten des Werksteinbaues durch Kaiser Friedrich Barbarossa in 
Sachsen (Altenburg, die roten Türme und Schloß Landsberg) und 
im Elsaß (Schlettstadt, St. Georg und Hagenau-Kaiserpfalz) näher 
hegründen läßt, nicht untersucht worden ist. Für solche und andere 
Fragen hat man sich fast allgemein begnügt, die alte oft ausgesprochene 
Vermutung von der Herkunft des norddeutschen Backsteinbaues aus 
Italien in unfruchtbarer Weise zu wiederholen. Nur der Provinzial— 
konservator, Prof. Dr. Haupt in Eutin, der auch frühzeitig die Über— 
zeugung von dem segensreichen Einfluß der niederländischen Koloni— 
sation gewonnen hat, ist mit seinem offenen und begründeten Wider— 
pruch nicht karg gewesen. Damals standen wir beide allein und 
konnten nicht ahnen, daß in Holland ein tapferer Verteidiger unserer 
Ansicht bereits tätig war. 
Es war der Reichsbaumeister Peters im Haag, der schon seit 
1880 zu baugeschichtlichen Zwecken die einzelnen Provinzen der Nieder— 
lande so erfolgreich bereist hatte, daß er 1894 öffentlich gegen Haase 
und Rudolph aussprechen konnte: zur Zeit der auswandernden Kolo— 
nisten hat in fast allen Teilen Hollands ein vollständiger Backsteinbau 
bestanden, weil derselbe schon von altersher Brauch war. Das Re— 
sultat seiner zahlreichen und fleißigen Forschungen ist mir erst genauer
	        
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