Path:
IV. Der Ursprung des Backsteinhauses in den baltischen Ländern

Full text: Zur Kunstgeschichte / Adler, Friedrich (Public Domain)

90 Der Ursprung des Backsteinbaues in den baltischen Ländern. 
Backsteinbau nicht mitgebracht haben, ist sicher, sondern das haben die 
Niederländer getan, welche sich jenen angeschlossen hatten; wird doch 
urkundlich ein „Gerebertus advocatus Hollandorum“ hier in Olden— 
burg genannt. (Mecklenb. Urk. B. J, 289.) Die Kirche ist also nicht 
1143, sondern frühestens 1157 bis 1158 erbaut worden, aber auch 
nicht später, weil Bischof Gerold schon 1160 die Verlegung des Bis— 
tums nach Lübeck durchsetzte. Daher ist die S. Johannes-Kirche eine 
der bestdatierten in Wagrien und sicher der älteste von Holländern 
errichtete Backsteinbau des Landes. Diese Annahme wird, ab— 
gesehen von dem urkundlichen Zeugnisse, noch dadurch besonders unter⸗ 
stützt, daß die gleichzeitig und von demselben Bischofe Gerold erbaute 
Kirche zu Ratekau wieder ein schlichter Granitbau geworden ist. Olden— 
burg sollte in jeder Weise bevorzugt werden und erhielt deshalb einen 
Backsteinbau. 
Die traurig verunstaltete Kirche S.. Michael zu Lütjenburg, ein— 
schiffig, zweijochig, kreuzgewölbt mit Quadratturm und plattem (später 
verlängertem) Chore ist das treue Abbild einer westfälischen Dorfkirche 
vom Schlusse des XII. Jahrhunderts mit den notwendigen Veränderungen 
für den Ziegelbau. Sie besitzt alle Merkmale der spätromanischen 
unst: gepaarte Rundbogenfenster und die in mildem Spitzbogen er— 
hobenen Kreuzgewölbe. Schon mit Rücksicht auf Oldenburg würde 
das früheste Datum 1170 bis 1180 sein. 
Von den drei übrigen Kirchen Segeberg, Eutin und Altenkrempe 
ist die letzte die züngste und die relativ vollendetste. Auch bei ihr tritt 
sowohl in der Planbildung wie in der Struktur, besonders aber in 
einigen Details (Wulstrippen mit Hängezapfen u. dgl.) der westfälische 
Charakter deutlich hervor. Es ist eine dreischiffige gewölbte Pfeiler— 
basilika mit auffallend schmalen Seitenschiffen, (ein gleichfalls west— 
fälischer Zug) quadratem Chore und Apsis; der Turm steht über dem 
ersten Joche des Mittelschiffs. Gute Verhältnisse, interessante Pfeiler— 
gliederung und mannigfaches Detail zeichnen die Kirche aus. Die 
stark hochstrebenden Kreuzgewölbe auf zugespitzten Schild- und Gurt— 
bögen, Wulstrippen mit Hängezapfen im Chore, vor allem das ge— 
bundene System mit rechteckigen Kreuzgewölben gestatten ein frühes 
Datum. Die Kirche wird 1197 urkundlich genannt, und sie kann nicht 
sehr viel älter sein. Das Gleiche gilt von der größeren Kirche 
S. Michael zu Eutin, die leider in gotischer Zeit ihren Chor und 
ihre Mittelschiffsgewölbe verloren hat. Auch sie ist echt westfälischer 
Abkunft. Das gebundene System im Innern bei schmalen Seiten-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.