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Full text: Die Goldapotheke / Meding, Oskar (Public Domain) Ausgabe 2 Zweiter Band (Public Domain)

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schönen, heiligen Beruf, und darin werde ich weiter Kraft finden, 
den eigenen Kummer zu tragen. 
Sie setzte sich an das Bett des Kindes und befeuchtete, 
wie Thurneyßer ihr vorgeschrieben, dessen Gesicht und Hals 
mit der Flüssigkeit. 
Das schien dem Kleinen wohlzuthun, und seine ruhigen 
Athemzüge zeigten, daß er eingeschlafen war. 
Thurneyßer ging, leise auftretend, hinaus und kehrte, 
von dem alten Diener bis zu seinem Wagen geleitet, nach dem 
Grauen Kloster zurück. 
„Es wird mir gelingen,“ sagte Thurneyßer, als er wieder 
in sein Cabinet zurückgekehrt war, „es wird mir gelingen, 
ich fühle es an dem inneren Muth und der festen Zuversicht, 
dieses Kind zu retten. Mein kurfürstlicher Herr, der mir so 
viel Gnade und Vertrauen schenkt, soll sich überzeugen, daß er 
keinen Undankbaren und auch keinen Unfähigen so hoch hält 
und daß ich ihm treu ergeben bin, wenn ich,“ fügte er leise 
seufzend hinzu, „auch vielleicht sein Land niemals werde als 
meine Heimat zu lieben vermögen und wenn mich mein Herz 
unwiderstehlich zurückzieht nach dem alten Vaterlande, das ich 
niemals vergessen kann.“
	        
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