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Full text: Die Goldapotheke / Meding, Oskar (Public Domain) Ausgabe 1 Erster Band (Public Domain)

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„Was,“ rief er mit einer weit über den Platz schallen— 
den Stimme, „was können wir sündige Menschen für gute 
Werke thun, die den allmächtigen Schöpfer aller Welt erfreuen 
möchten, der selbst alle guten Gaben zuwendet, denen, die 
ihrer würdig sind? Der Glauben allein erfreut ihn und 
wendet seine Gnade dem reuig bekennenden Sünder zu — die 
guten Werke sind Heuchelei, vom Teufel eingegeben, womit 
der verstockte Sünder den Herrn der Gerechtigkeit und Wahr⸗ 
heit betrügen will.“ 
Er that einen langen Zug aus dem von Buchholz ehr⸗ 
erbietig credenzten Becher und rief, den Arm ausstreckend: 
„Seht Ihr ihn dort, wie er drohend über uns schwebt, der 
höllische Feind, um meine Worte abzuwenden von Euren 
Herzen? Ich sehe ihn, wie er seine Krallen ausstreckt, um 
die Worte der Wahrheit von meinen Lippen abzufangen und 
sie in's Leere zu werfen oder zu verdrehen, denn das Wort, 
wie es unser großer Luther uns wiedergebracht, gereinigt und 
erfrischt, so wie es am Anfang war, und vom Himmel durch 
die Welt klang, das ist die mächtigste Waffe, die er fürchtet, 
der Fürst der Lüge!“ 
Das Gesicht des eifrigen Redners war dunkelroth ge⸗ 
worden, seine aufwärts gerichteten Augen zeigten in ihren
	        
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